In das Cottbuser Hotel "Zur Sonne" hat die Initiativgruppe am Dienstag reichlich Material - und Personal - mitgebracht, um ihr Anliegen zu verdeutlichen: Seit anderthalb Jahren arbeitet die Initiative an einem Konzept, das letztlich in ein Serbski Sejmik (sorbisches Parlament) münden soll. Aus Sicht von Johannes Heimrath "müssen die Sorben eine vollständige Autonomie erhalten". Für die Initiativgruppe heißt das, sich in der nächsten Zeit ein Mandat der sorbischen Bevölkerung geben zu lassen, um den Weg zu einem Serbski Sejmik zu forcieren.

Zunächst sollen jetzt die umfangreichen Arbeitspapiere der 150 Mitglieder zählenden Initiativgruppe einer breiten Bevölkerung im sorbischen Siedlungsgebiet der Ober- und Niederlausitz vorgestellt werden. "Wir haben die Vision eines sorbischen Parlaments entwickelt", betont Michael Apel, Vertreter der Niederlausitz. "Und darüber wollen wir jetzt breit diskutieren." Deshalb ist für den 26. Januar ein Runder Tisch im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz (Kreis Bautzen) einberufen worden, der sich in sechs Arbeitsgruppen ganztägig zum Thema austauschen will. Dabei werden der Platz der Sorben/Wenden in Europa sowie Bildung, Zweisprachigkeit und Erhalt von Sprache und Kultur erörtert - bis hin zu den "Strukturen eines demokratisch legitimierten sorbischen/wendischen Serbski Sejmik".

Der Cottbuser Michael Apel bezeichnet die Debatte als einen "offenen Prozess". Im Plenum des Runden Tisches soll es aber auch Beschlüsse zur weiteren Arbeit der Initiativgruppe geben.

Johannes Heimrath sieht im Runden Tisch das Ende eines Arbeitsabschnittes, das in eine Volksabstimmung für ein Sorbisches Parlament münden soll. Für den Präsidenten der Europäischen Akademie der Heilenden Künste, der sich der Minderheitenpolitik nicht nur in Deutschland verpflichtet sieht, "kommen die Sorben in der deutschen Gesellschaft nicht vor". Dabei hätte ihr kulturelles Erbe, so Heimrath, durchaus viel zu geben. Dass die Sorben/Wenden ihren Beitrag zu einer enkeltauglichen Welt nur in Selbstbestimmung leisten können, davon ist der Wissenschaftler und Autor überzeugt. Doch eine demokratisch legitimierte Vertretung gebe es nicht. Die Domowina ist für Heimrath lediglich ein Bund der Vereine, der sich um den Erhalt von Sprache und Kultur kümmere. Es gehe aber um mehr Selbstbestimmtheit. "Die Sorben müssen vollständige Autonomie erhalten", fordert Heimrath. "Und das sorbische Parlament muss mit allen Rechten ausgestattet sein."



Für den Vorsitzenden der Domowina, David Statnik, "klingen die Inhalte der Arbeitspapiere der Initiativgruppe sehr schön". Doch die Führung des Bundes Lausitzer Sorben würde erhebliche praktische und juristische Probleme sehen. Darauf habe der Domowina-Bundesvorstand im Juli des Vorjahres aufmerksam gemacht. Seither herrscht Eiszeit zwischen beiden Gruppen.

Dabei erklärt Statnik gegenüber der RUNDSCHAU, "dass die Domowina ihrer 100-jährigen Geschichte folgen wird. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht reformwillig wären". Der Domowina-Chef verweist darauf, dass es künftig mehr Basisstrukturen bei Domowina-Wahlen geben werde. Er macht aber auch deutlich: Nicht erst zum 100. Geburtstag der Domowina in Hoyerswerda habe die Politik aus Sachsen und Brandenburg zum Ausdruck gebracht, dass für sie die Domowina der politische Interessenvertreter des sorbischen Volkes sei. Statnik sei nicht bekannt, dass es Zweifel an der Domowina gebe. Er sagt aber auch, dass es für ihn "zweifelhaft" sei, wenn der Runde Tisch in Schmochtitz zu einem Zeitpunkt einberufen worden sei, an der langfristig der Bundesvorstand der Domowina tage.

Stiftungsratsmitglied Michael Apel verteidigt dennoch den Vorstoß für ein Serbski Sejmik. Er verweist auf eine Reihe von Gutachten in Sachsen, die allesamt zu dem Ergebnis gekommen seien, dass es der Interessenvertretung der Sorben/Wenden an demokratischer Legitimation fehle. Im Rat der Stiftung für das sorbische Volk sei er immer wieder mit diesem Problem konfrontiert worden. Deshalb lohne der Kampf, letztlich über eine Gesetzesinitiative beim Bund zur Gründung eines Serbski Sejmik zu kommen.

Zum Thema:
Die Geschichte der Lausitzer Sorben ist vom Bestreben nach Selbstbestimmung geprägt. Deshalb gründeten sie vor mehr als 100 Jahren in Hoyerswerda den Dachverband Domowina (sorbisch für Heimat). Er sieht sich als politische Interessenvertretung für die aktuell rund 60 000 Sorben in Sachsen und Brandenburg. Derzeit gehören der Domowina mehr als 7200 Mitglieder an. Kritiker bemängeln, dass der Dachverband nicht die Interessen aller Sorben vertritt. Sie gründeten deshalb im Mai 2011 eine Initiativgruppe für eine sorbische Volksvertretung. Zu ihren Zielen gehört die Bildung eines autonomen Parlamentes. dpa/ta