Er wünsche "eine schnelle Lösung im Dialog", sagte Villepin am Samstag den regierungsnahen Studentenverbänden Unef und Confédération étudiante. Dabei nannte er ausdrücklich den Hauptkritikpunkt an seiner Reform: die zweijährige Probezeit für Berufsanfänger unter 26 Jahren und die Möglichkeit zur Entlassung ohne Begründung.
Vier andere Verbände boykottierten das Gesprächsangebot des Regierungschefs und warfen ihm in einem offenen Brief vor, den Dialog mit unannehmbaren Vorbedingungen zu blockieren. Innenminister Nicolas Sarkozy rief zu einer Einigung auf. Über einen Kompromiss nachzudenken, wäre "mutig und nützlich für Frankreich", sagte er.
Sieben Wochen nach den ersten Massendemonstrationen planen die Gewerkschaften für morgen Streiks in den Verkehrs-, Versorgungs- und Medienbetrieben sowie 135 Kund gebungen. Dabei sollen Ordner das Einsickern von Jugendbanden aus den Vorstädten verhindern. In der vergangenen Woche hatten nach Polizeiangaben mehr als 2000 Schläger aus den Vorstädten in Paris in Kleingruppen Demonstranten verprügelt und ausgeraubt sowie Autos demoliert. Ein Demonstrant liegt seitdem auf der Intensivstation. In Pariser Vororten nutzten Jugendbanden Demonstrationen für Plünderungen von Läden. Die Gewerkschaften wollen nach einem gescheiterten Gespräch mit Villepin erst dann wieder mit dem Regierungschef reden, wenn er die Reform zurückzieht. Der Unternehmerverband Medef warnte Villepin vor einem Bruch mit der jungen Generation und erklärte, der Konflikt gefährde die Wirtschaft und das Sozialgefüge Frankreichs.
Nicolas Sarkozy warnte vor einem neuen Entflammen der Vorstädte und rief zum Kompromiss auf. Dabei warf er Villepin indirekt vor, den Widerstand gegen seine eigene Arbeitsmarktreform provoziert zu haben. 44 Prozent der Franzosen unterstützen nach einer gestern veröffentlichten Umfrage, dass Sarkozy im Reformstreit von Villepin abrückt. 83 Prozent wollen, dass Präsident Jacques Chirac eingreift.
In Schnellverfahren wurden am Wochenende Demonstranten zu Strafen von bis zu einem Monat Haft verurteilt, weil sie mit Dosen oder Flaschen auf Polizisten geworfen hatten. Reformgegner warfen der Polizei vor, die brutalen Schläger und Straßenräuber aus den Vorstädten nicht behelligt zu haben. Sarkozy versprach ein härteres Durchgreifen. Er sei "als Innenminister beunruhigt" über die Gefährdung der Schüler und Studenten durch Gewalttäter. (dpa/AFP/kr)