Welche Versionen der Maut gibt es in Deutschland?
Bisher müssen Lastwagen über zwölf Tonnen zulässiges Gesamtgewicht auf Autobahnen und einigen Bundesstraßen eine nutzerfinanzierte Straßenverkehrsabgabe zahlen. Sie wird fast ausschließlich über ein satellitengestütztes System mit Bordcomputern eingetrieben, die in den Lkw eingebaut sind. Aber sie kann auch an Automaten entrichtet werden oder im Voraus vom Betreiber überwiesen werden. Sie bringt pro Jahr Einnahmen von etwa 4,5 Milliarden Euro. Mautpflichtig für alle Fahrzeuge sind zwei Tunnel nahe der Ostsee: der Warnowtunnel in Rostock und der Herrentunnel in Lübeck.

Welche weiteren Versionen der Maut sind im Gespräch?
Einmal die Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Straßen oder nur auf alle Bundesstraßen. Das würde eine Ausweitung des in den Bordcomputern und den Servern gespeicherten Netzes erfordern, was die derzeitigen Geräte überfordern könnte. Zum Zweiten die Ausweitung der Lkw-Maut auf Fahrzeuge mit einem Gewicht unter zwölf Tonnen. Das wäre problemlos möglich und bliebe im Rahmen der EU-Richtlinien, ist aber vorerst politisch nicht gewollt, außer von den Grünen. Zum Dritten eine Pkw-Maut auf Autobahnen oder auf allen Straßen. Die CSU befürwortet sie nachdrücklich, die anderen Koalitionsparteien ziehen sich auf den Satz ". . . steht nicht auf der Tagesordnung dieser Koalition" zurück. Laut Umfragen wäre sie sogar politisch durchsetzbar, vorausgesetzt, die Einnahmen flössen in Verkehrsinvestitionen. Bislang war der CDU-Standpunkt, dass im Fall einer Erhebung der Pkw-Maut die Steuerlast der Autofahrer an anderer Stelle gesenkt werden sollte – etwa bei der Kfz- oder Mineralölsteuer. In der jüngsten Debatte geht es aber um die Finanzierung einer Investitionslücke in Milliardenhöhe. Soll dies erreicht werden, wirkte eine Kompensation durch andere Abgabenarten kontraproduktiv. Technisch kann eine Pkw-Maut nicht umgehend mit einem satellitengestützten System ähnlich der Lkw-Maut erhoben werden, da mehr als 50 Millionen in- und ausländische Autos mit Borderfassungsgeräten ausgestattet werden müssten.

Der einfachste Weg wäre der Kauf einer Vignette für die Windschutzscheibe nach Schweizer oder österreichischem Vorbild. Dazwischen gibt es mehr oder weniger anspruchsvolle elektronische Varianten.

Wie ist es mit der City-Maut?
Eine City-Maut nach Londoner oder Osloer Vorbild wäre denkbar. Sie wird am Ortseingang erhoben. In London scannen Kameras die Nummernschilder der Autos und buchen die Maut von zehn Pfund (knapp 12,50 Euro) vom Halterkonto ab, vorausgesetzt der Autohalter hat sich angemeldet. Wenn nicht, zahlt er Strafe. Denkbar ist auch hier eine Vignettenlösung, vergleichbar mit den Parkvignetten in den Innenstädten. Die Grünen befürworten sie, einzelne Landespolitiker ebenfalls.

Der Bund ist still bis skeptisch und verweist darauf, dass die Schaffung der gesetzlichen Vor aussetzungen Ländersache sei. Hoch umstritten ist die Frage der sozialen Auswirkungen.