Zwischen 1000 und 1500 vietnamesische Betriebe gebe es hier im Durchschnitt seit 1995, sagte der Präsident des Verbands vietnamesischer Unternehmer in Deutschland, Nguyen sy Phuong, in Radefeld. Sachsen sei damit auf einer Höhe mit Brandenburg. Mehr vietnamesische Unternehmer gebe es nur noch in Berlin. Die meisten selbstständigen Vietnamesen verkaufen dem Verbandschef zufolge Textilien und Lebensmittel. Im Mittelpunkt stehe das Import/Export-Geschäft mit Vietnam.
Die Ware kauften die sächsischen Händler in Großhandelszentren - den so genannten Asiacentern - in Leipzig, Dresden oder Chemnitz. Aber auch in der Gastronomie seien die ehemaligen Gastarbeiter vertreten, sagt Phuong. Bei den Unternehmen handele es sich in der Regel um Familienbetriebe mit bis zu drei Mitarbeitern. Das Gros der vietnamesischen Betriebe bestehe schon seit Anfang der 90er-Jahre, fügt der Unternehmer hinzu.
Allerdings hätten die ehemaligen Gastarbeiter zunächst nur als fliegende Händler auf Märkten gearbeitet. Wegen des damals unklaren Aufenthaltsstatus' hätten sie es nicht gewagt, mehr Geld in ihre Unternehmen zu stecken. Inzwischen betrieben sie jedoch vie le eigene "Tante-Emma-Läden". Bei Problemen mit den deutschen Handelsgesetzen können sich die Vietnamesen Hilfe bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) holen.
Da sie sich gegenseitig stets austauschten, bestehe jedoch kein großer Beratungsbedarf, sagt der Dresdner IHK-Sprecher Uwe Neumann. Die meisten kämen mit ganz konkreten Fragen. Die IHK Dresden zähle in ihrem Bezirk derzeit 787 aktive asiatische Betriebe. Laut Unternehmervertreter Phuong war die Selbstständigkeit für die ehemaligen Gastarbeiter eine der wenigen Möglichkeiten, ihren Aufenthalt in Deutschland zu sichern. Das Bleiberecht sei bis Ende der 90er nur bei denjenigen regelmäßig verlängert worden, die sich selbst versorgen konnten. Gleichzeitig waren die Chancen auf ein reguläres Anstellungsverhältnis Phuong zufolge äußerst gering.
Das bestätigt auch die Rechtsexpertin beim Ausländerbeauftragten, Christiane Krebs. Die Vietnamesen hätten damals als erste die Arbeit verloren, sagt die Juristin. Die meisten kehrten daher in ihre Heimat zurück. Erst seit 1997 sei bei den ehemaligen Vertragsarbeitern der Aufenthalt gesichert. Dem Statistischen Landesamt zufolge leben derzeit knapp 10 200 Vietnamesen in Sachsen. Mehr als 5000 seien ehemalige Gastarbeiter, sagte Krebs. Die anderen kamen den Angaben zufolge über den Familiennachzug oder einen Asylantrag ins Land. Wie Phuong unterstreicht, glauben die Vietnamesen mittlerweile an eine Zukunft in Deutschland.
Zur Integration der Händler in die deutsche Wirtschaft habe man im Oktober 2001 den Unternehmerverband gegründet. Derzeit sei die Situation der vietnamesischen Unternehmen wegen der schwächelnden Konjunktur allerdings schlecht. Die Einzelhändler verfügten im Vergleich zu den meisten deutschen Unternehmen nur über wenige Reserven, sagte der Verbandschef.