1. Dezember 2017, Freitagnachmittag, Bombenalarm auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt. Die ersten Gedanken gehen an einen möglichen Anschlag. Das Gebiet in der Innenstadt wird abgeriegelt. Dann stellt sich heraus: Eine Apotheke hat von einem Erpresser ein Paket mit einer Nagelbombe erhalten, das daraufhin kontrolliert gesprengt wird.

Es war nicht die erste und nicht die letzte Tat. Der oder die Täter verlangen eine Millionensumme vom Lieferdienst DHL. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) zeigte sich sofort optimistisch, die Taten aufklären zu können. Auch Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke verbreitete bis zum Frühsommer dieses Jahres Zuversicht, vermittelte auf Nachfrage immer wieder den Eindruck, dass die Ermittler kurz vor einem Durchbruch stehen.

So wird es wohl gewesen sein, aber ein Zugriff erfolgte bis heute nicht. Inzwischen will die Polizei nichts mehr zum Stand der Ermittlungen sagen – und auch nicht zu einem aktuellen „Bild“-Bericht über mögliche Hintergründe jener insgesamt vier Taten. „Kein Kommentar“, heißt es dazu lediglich.

Unter Berufung auf Erkenntnisse von Ermittlern schreibt die Zeitung, dass die Geschichte schon am 13. September 2017 begonnen habe. In einer Mail an das BKA drohte demnach ein Unbekannter, Paketbomben an zufällig ausgewählte Adressaten zu verschicken, wenn er nicht monatlich 30 000 Euro in Bitcoin bekommt.

Der Fall wird schnell zu den Akten gelegt. Am 6. November schlägt „Omar“, wie er sich selbst nennt, zum ersten Mal zu. Das Paket an eine Elektronikfirma in Frankfurt (Oder) geht in Flammen auf, das Bekennerschreiben ebenfalls. Die Öffentlichkeit erfährt nichts von dem Vorfall, bis in der Potsdamer Apotheke die zweite Bombe auftaucht, samt einer neuen Forderung, die in einem QR-Code am Paket versteckt ist.

Die dritte Bombe wird am 12. Januar dieses Jahres in einer Bank in Berlin-Steglitz entdeckt. Wenig später wendet sich der Erpresser mit seinen Forderungen laut „Bild“ direkt an den DHL-Vorstand. Seine über das Darknet verschickten Mails können nicht zurückverfolgt werden. Die bislang letzte Bombe taucht am 29. März bei der Handwerkskammer in Berlin-Kreuzberg auf. Zeitgleich droht und flucht der Erpresser in mehreren Mails an die DHL.

Spezialisten der Polizei gehen akribisch allen Spuren nach, Spürhunde führen die Ermittler zu einem Hotel in Berlin-Friedrichshain. Dort soll sich Omar in ein offenes WLan-Netzwerk eingewählt haben. Aber die Verbindungsdaten sind längst gelöscht, wie es das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung vorschreibt.

Seit dem 20. April schweigt der Erpresser, vielleicht weil ihm die Ermittler bedrohlich nah gekommen waren.