"Ich halte das für einen guten Kompromiss", sagt Konrad Raiser, der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen. Dass der erste Ökumenische Kirchentag nach 30 Jahren mit dem Jahr der Bibel zusammenfällt, war Zufall. Auf mehr als eine "freundliche Kooperation" konnten sich die Veranstalter jedoch nicht einigen.
"Hier wurde eine große Chance verpasst", sagt einer der Beteiligten. Der Ökumenische Kirchentag hätte noch viel stärker die Bibel als verbindendes Element der Konfessionen betonen und die nicht-kirchliche Öffentlichkeit für die Heilige Schrift der Christen interessieren können. Aber auch ohne ein gemeinsames Konzept beider Organisatoren ist das Christentreffen in der Hauptstadt stark biblisch geprägt.
Das Buch der Bücher soll den Kirchentagsbesuchern mit allen PR-Rafinessen nahe gebracht werden. Vor einer "BibelBox", einem leuchtend blauen Messe-Würfel unter dem Fernsehturm, locken riesige Porträtfotos zur Begegnung mit biblischen Personen. Ein Typ graumelierter Studienrat steht für den intellektuellen Eiferer Paulus, eine brave Blondine verkörpert Maria. In der Humboldt-Universität lädt das Ökumenische Bibelzentrum zu Vorträgen, biblischem Theaterspiel und geistlicher Bibelarbeit.
Der Projektleiter des Bibeljahres, Steffen Kahl, ist überzeugt, dass sich die Menschen auf diese Weise für die Bibel begeistern lassen. "Es geht darum, die Bibel neu in die Öffentlichkeit zu tragen", sagte er. Die "BibelBox" habe schon zuvor in Mannheim, Rostock und Leipzig zahlreiche Besucher angezogen. "Gerade Jugendliche im Osten, die wenig Vorwissen haben, sind interessiert und stellen viele Fragen", sagt er. Im Westen seien junge Menschen gegen das Thema Bibel hingegen häufig immun.
Die Veranstalter des Kirchentages hatten anfangs erwogen, sich auf eine Übersetzung des Bibeltextes zu einigen. Das Alte Testament wurde auf Hebräisch verfasst, das Neue Testament hingegen auf Griechisch. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil erarbeiteten Katholiken die so genannte Einheitsübersetzung. Obwohl daran auch evangelische Theologen beteiligt waren, blieben die protestantischen Gemeinden bei ihrer Luther-Übersetzung.