Für die vier, die gemeinsam das Sorbische Männerquintett (ein Mann fehlt derzeit) bilden, stellte die Teilnahme gleichzeitig eine Herausforderung und ein Abenteuer dar. Abenteuerlich gestaltete sich bereits die Anreise: Aufgrund einer Orkanwarnung war der Weiterflug von Peking nach Xiamen, das an der Südküste Chinas liegt, gestrichen worden. "Die Quartiersuche in Peking verlief zwar problemlos, belastete aber unsere Reisekasse", erzählt Stephan Noack. Die ersten Begegnungen mit der Bevölkerung fanden an einer Autowaschanlage, wo 15 Menschen an einem einzigen Auto herumwienerten, und im Hotel statt. Dort wurde Stephan Noack mehrmals telefonisch eine Message (Nachricht) angekündigt. "Als plötzlich eine junge Frau vor der Tür stand, stellte sich heraus, dass ich eine Massage bekommen sollte", erinnert er sich.
Dieses erste Verständigungsproblem blieb allerdings auch das Einzige: "Vor allem die jungen Chinesen sprechen ein sehr gut verständliches Englisch", erklärt Stephan Noack. Außerdem gesellten sich zu den vier Sängern sofort nach der Ankunft in Xiamen zwei Begleiterinnen und ein Chauffeur. "Die sollten uns die ganze Zeit über nicht mehr von der Seite weichen", so der Bautzener Sänger.
Am nächsten Tag stand bereits der erste Wettbewerb, eine Art "Vorrunde" in einer der beiden Kategorien, für die die Bautzener gemeldet hatten (Folklore a capella und Männer-Vokalensembles), auf dem Programm. "Am Einlass gab es umfangreiche Sicherheitskontrollen", blickt Stephan Noack zurück. "Offenbar wollten die Chinesen schon für die Olympischen Spiele in zwei Jahren proben." Publikum war bei den Wertungsrunden nicht zugelassen. In der Kategorie Männer-Vokalensemble erreichte das Sorbische Männerquintett das begehrte Golddiplom, welches Voraussetzung für das Erreichen der Finalrunde war. Ein weiteres Golddiplom gab es für die insgesamt beste Präsentation. In der Finalrunde kam dann noch einmal Silber hinzu. In der Kategorie "Folklore a capella" erhielten die Bautzener in der Vorrunde Silber, was nicht zur Teilnahme am Finale berechtigte.
Insgesamt gesehen gestaltete sich die Teilnahme des Sorbischen Männerquintetts an der Chorolympiade in Xiamen jedoch als großer Erfolg, nicht nur wegen der zwei Golddiplome, sondern auch, weil es gelang, auf die Herkunftsregion aufmerksam zu machen. So moderierte Stefan Baumgärtel eine halbstündige Sendung eines landesweit ausstrahlenden Fernsehsenders aus Shanghai mit und gab dabei auch Kostproben seines sängerischen Könnens. Ein Galakonzert, das das Sorbische Männerquintett gemeinsam mit Chören aus Korea und China gestaltete, rief Begeisterung hervor.
Stephan Noack bewertet den fast zweiwöchigen China-Aufenthalt im Nachhinein als "großartige Erfahrung", auch, weil es in den letzten Tagen doch noch gelang, sich ohne Begleitung, "die erinnerte zeitweise ziemlich an DDR-Zeiten", unter die Bevölkerung zu mischen und unvergessliche Eindrücke zu gewinnen.