Durch stärkere Kontrollen würden mehr Fälle aufgedeckt. Die hohe Zahl der Verfahren dokumentiere eine "Aufhellung des ohnehin vorhandenen Dunkelfeldes", nicht eine besonders hohe Korruptionsbelastung, erklärte Justizminister Helmuth Markov (Linke) auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion. Laut AfD kamen 2013 auf 100 000 Einwohner 6,7 Verfahren wegen Korruption. Das ist der höchste Wert unter allen Bundesländern. Die Angaben stützen sich auf Informationen des Bundeskriminalamtes und der Zeitung "Die Welt".

In Brandenburg beträfen 80 Prozent der Verfahren die "Korruption in der Verwaltung" und die übrigen 20 Prozent die Fälle in der Wirtschaft, sagte der Leiter der Schwerpunktstaatsanwaltschaft, Frank Winter. "Das heißt aber nicht, dass die Brandenburger Amtsträger besonders korrupt sind." Vielmehr gebe es in den Brandenburger Behörden strenge Kontrollmechanismen. Das Land habe schon seit vielen Jahren besondere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, die Korruptionskriminalität einzudämmen, heißt es in der Antwort des Justizministeriums.

Es entspreche "allgemeiner kriminalistischer Erfahrung", dass die Fallzahlen ansteigen, wenn spezielle Strukturen in der Strafverfolgung für Kontrolldelikte geschaffen würden, heißt es im Justizministerium. Von Kontrolldelikten spreche man bei Straftaten, die erst auffallen, wenn die Behörden entsprechende Nachforschungen anstellen.

Bei Transparency International Deutschland hält man die Argumentation der Regierung für zutreffend. "Vergleichende Aussagen über das unterschiedliche Ausmaß von Korruption in verschiedenen Ländern lassen sich nur schwer auf objektive empirische Daten aufbauen", sagte Gisela Rüß, Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland. "Zum Beispiel, indem man die Anzahl von Ermittlungsverfahren oder von Gerichtsurteilen vergleicht". Die Daten spiegelten nicht das tatsächliche Ausmaß der Korruption wider, sondern belegten vielmehr die Kompetenz der Strafverfolgungsbehörden, Gerichte oder Medien, Korruption zu untersuchen und aufzudecken.