Schwerbehinderte sind die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt: Während sich die allgemeine Beschäftigungslage in den vergangenen Jahren in Sachsen stetig verbesserte, hat sich der Anteil behinderter Menschen an der Gesamtzahl der Arbeitslosen seit dem Jahr 2005 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) mehr als verdoppelt.

War 2005 nur jeder vierzigste Arbeitslose schwerbehindert, war es im vergangenen Jahr bereits jeder sechzehnte. Aktuell sind in Sachsen mehr als 10 500 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet.

Dabei hat der Arbeitsmarkt sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Niemals seit der Wende waren weniger Sachsen ohne Job. Und auch die Beschäftigtenzahl ist auf einem 13-Jahre-Höchststand. Nicht profitieren konnten die Schwerbehinderten. Zwar hat ihre Zahl mit der älter werdenden Gesellschaft seit 2005 um rund ein Viertel auf aktuell 377 550 zugenommen. Dadurch allein lässt sich der gestiegene Anteil an der Arbeitslosigkeit aber nicht erklären.

"Vorurteile in der Gesellschaft, Ängste und Bedenken gegenüber der Leistungsfähigkeit machen es uns nicht leicht, diese Frauen und Männer in Arbeit zu bringen", sagte Klaus Schuberth, Vorsitzender der Geschäftsführung in der BA-Regionaldirektion Sachsen. Diese Vorurteile und Befürchtungen abzubauen, ist Ziel einer Themenwoche, mit der die Bundesagentur von diesem Montag an mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen für mehr Inklusion werben will.

"Ich weiß, dass auch Menschen mit einer Behinderung volle Leistung bringen können und wollen", sagte Schuberth. Schwerbehinderte seien als gut ausgebildete Fachkräfte in vielen Bereichen einsetzbar. Gut 82 Prozent von ihnen verfügten über einen Berufsabschluss oder eine akademische Ausbildung und seien damit besser qualifiziert als der Durchschnitt der Arbeitssuchenden. Außerdem wird ihre Einstellung von Arbeitsagenturen und Jobcentern auch finanziell unterstützt.

Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten sind gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze Menschen mit Behinderungen zur Verfügung zu stellen. 2012 waren das in Sachsen mehr als 41 200 Arbeitsplätze, aber nur knapp 34 000 waren tatsächlich entsprechend besetzt. Unternehmen, die ihrer Pflicht nicht nachkommen, müssen in Sachsen je nach Beschäftigungsquote und Arbeitsplatzzahl pro nicht besetztem Platz zwischen 105 und 290 Euro im Monat zahlen.

Die Gründe, dennoch keine Schwerbehinderten einzustellen, seien vielfältig, sagte Thomas Naumann von der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen. "Zum Beispiel die Annahme, dass man Schwerbehinderte nicht wieder loswird." Die sei zwar falsch, aber verbreitet. Insgesamt seien die Ziele der Inklusion noch nicht in der Breite der Gesellschaft angekommen. Das brauche wohl auch Zeit. "Wenn man schon in der Schule viel mehr Inklusion hinbekommen würde, hätte man in 20, 30 Jahren einen ganz anderen Arbeitsmarkt."