16 000 Stellen sind laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland weggefallen. "Das ist die Größenordnung der gesamten Berliner Polizei", so der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow.

Und durch die Terrorgefahr steigt die Belastung weiter an. Deshalb werden jetzt Forderungen laut, die Beamten von überflüssigen Aufgaben zu entbinden. Dabei ist die Sorge vor Anschlägen nicht neu - sie gebe es schon "viele, viele Jahre", so Malchow. Trotzdem werde weiter bei der Polizei gespart. Vor allem die Fahndung nach Terroristen sei besonders personalintensiv. "Da haben sie ja nicht nur einen Aktenberg vor sich, sondern sie müssen an den Leuten dranbleiben."

Doch wie soll das gehen? Welche Aufgaben könnten wegfallen, um mehr Polizisten im Kampf gegen Terroristen oder zum Schutz von öffentlichen Einrichtungen einsetzen zu können?

Rainer Wendt, Vorsitzender der anderen Polizeigewerkschaft, DPolG hat bereits konkrete Ideen. Beamte sollten nicht mehr zur Fahrerfeststellung nach Verkehrsdelikten eingesetzt werden. "Das ist ein signifikantes Problem", so Wendt zur RUNDSCHAU. "Es gibt Beamte, da macht das ein Drittel ihrer Arbeit aus."

Im Gegenzug will Wendt die Halterhaftung bei Verkehrsverstößen einführen, das heißt, der Halter muss dann erklären, wer gefahren ist oder er bezahlt das Bußgeld. "Damit könnten insgesamt 5000 Polizisten sofort sinnvoller eingesetzt werden", sagt der Gewerkschafter. Einsparpotenzial sieht er auch bei Alkoholbluttests. Rund 50 000 Blutproben im Jahr seien "völlig überflüssig". Die Atemalkoholanalyse sei "genauso zuverlässig".

Schon länger wird zudem gefordert, Schwertransporte nicht mehr von der Polizei begleiten zu lassen. Zuletzt hatten die Innenminister der Länder Ende vergangenen Jahres das Bundesverkehrsministerium gedrängt, die Straßenverkehrsordnung zu ändern, damit die Länder Privatunternehmen dafür einsetzen können.

Hintergrund ist, dass Schwertransporte Zigtausend Einsatzstunden binden. So gibt es beispielsweise allein in Niedersachsen jede Nacht etwa 50 begleitete Transporte, bei denen wenigstens ein Streifenwagen mit zwei Beamten über Stunden hinweg eingesetzt werden muss. Aus dem Verkehrsministerium hieß es am Dienstag auf Nachfrage, Bund und Länder seien diesbezüglich in einem engen Austausch.

Auch die rot-rote Koalition in Brandenburg denkt darüber nach, ob private Sicherheitsfirmen künftig die Brandenburger Polizei entlasten können. So würden nach Angaben des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken, Ralf Christoffers, jährlich mehr als 2000 Schwerlasttransporte von Einsatzkräften der Polizei begleitet. Dies sei eine große personelle Belastung. "Solche Aufgaben binden Kapazitäten, die sinnvoller eingesetzt werden könnten", erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Ness. Schwertransporte könnten auch von Privatfirmen begleitet werden.

Die CDU erneuerte am Dienstag ihre Kritik an der Brandenburger Polizeireform. "Der Einsatz an Polizisten bedarf einer fachbasierten Aufgaben- und Sicherheitsanalyse", sagte Björn Lakenmacher (CDU). In die geplante Evaluation müsse auch der hohe Krankenstand einfließen. Täglich seien bis zu zehn Prozent der Beamten nicht einsatzbereit. Weitere Schritte zur Aufstockung der Einsatzkräfte seien unter anderem ein Ausbau der Kapazitäten an der Polizeihochschule Oranienburg und flexible Rentenkonzepte. Zusätzliches Personal soll durch die Rückgabe polizeilicher Aufgaben an Ordnungsämter freigesetzt werden.

Hier signalisierte auch die SPD Gesprächsbereitschaft: "Die Frage der Ordnungsämter muss man dann im Detail anschauen", so Klaus Ness. Seitens der Politik wurde allerdings vor Schnellschüssen gewarnt.

Demgegenüber regte CSU-Innenexperte Stephan Mayer eine erneute Debatte über den Einsatz der Bundeswehr im Innern an. Hintergrund ist, dass in Frankreich und Belgien zur Unterstützung bei der Terrorabwehr Soldaten eingesetzt worden sind.