Der angestrebte Grenzwert von 450 Milligramm Sulfat pro Liter in der Spree bei Spremberg wurde von März bis September 2014 dauerhaft überschritten. Am Wasserwerk Briesen, das Spreeuferfiltrat verwendet, konnte deshalb der Grenzwert für Trinkwasser von 250 Milligramm pro Liter sehr oft nicht eingehalten werden. Das geht aus einem Gutachten hervor, das am Freitag veröffentlicht wurde. Das Institut für Wasser und Boden (IWB) in Dresden hatte im Auftrag des Berliner Umweltsenates die Sulfatbelastung des Flusses in Abhängigkeit von den Niederschlägen von Januar 2014 bis Juli 2015 untersucht. Das Sulfat stammt überwiegend aus der Grubenwasserreinigung des aktiven Braunkohlebergbaus der Lausitz und verwitternden Altkippenböden.

Die Ursachen für den hohen Gehalt der Schwefelverbindung waren laut Gutachten sehr komplex. Geringe Niederschläge und Durchflussreduzierung für die Sanierung der Spremberger Stauseemauer hätten dazu geführt, dass ein Verdünnungseffekt wie in den Vorjahren ausgeblieben sei. Die Gutachter stellten außerdem eine erhöhte Sulfatbelastung aus der Grubenwasserreinigung fest, weil die dort behandelten Wassermengen gestiegen seien. Sulfat werde aber auch zunehmend aus den inzwischen gefüllten Bergbaufolgeseen in die Spree gespült.

Von 2010 bis 2014 habe sich diese Sulfatlast von 21 000 Tonnen pro Jahr auf 44 000 Tonnen verdoppelt. "Durch eine geschickte Bewirtschaftung kann jedoch viel Einfluss auf den Sulfatgehalt der Spree genommen werden", schätzt Institutsleiter Wilfried Uhlmann ein. Dazu sei die Gewinnung von noch mehr Messdaten und die Entwicklung eines Steuerungsmodells sinnvoll.

Zum Thema:
Sulfate sind Schwefelverbindungen, die Wasser einen leicht bitteren Geschmack geben können und die in kleineren Mengen ungiftig sind. Sie gelten in Heilwässern als verdauungsfördernd. Zu hohe Dosierungen können zu Durchfall und Erbrechen führen. Der für Trinkwasser zulässige Grenzwert liegt bei 250 Milligramm pro Liter. Die Stoffe sind theoretisch aus dem Wasser herausfilterbar, dies gilt aber als extrem teuer.