Wer keinen Schulabschluss hat, wird es im Leben schwer haben. Doch für nicht wenige Brandenburger Schüler bleibt das bittere Realität, sagt eine neue Studie des katholischen Caritasverbands. Rund acht Prozent aller Brandenburger Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss. Besonders hoch ist die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in der Uckermark, wo vor zwei Jahren 14,21 Prozent der Schüler nicht einmal den Hauptschulabschluss erhielten, in der Prignitz, wo 11,81 Prozent ohne Abschluss blieben und im Landkreis Elbe-Elster, wo 10,94 Prozent nicht einmal den Hauptschulabschluss schafften. Bundesweit lag die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss bei 5,8 Prozent. Das ist das Ergebnis der Studie "Bildungschancen vor Ort", die der Verband am Dienstag in Berlin veröffentlichte.

Verbesserungen seit 2009

Insgesamt attestierte der Sozialverband der deutschen Bildungspolitik darin einen positiven Trend: Im Jahr 2009 hätten noch 7,2 Prozent der Schüler in ganz Deutschland und 12,61 Prozent der Schüler in Brandenburg keinen Schulabschluss erreicht. Auch in den drei am stärksten betroffenen Brandenburger Landkreisen ging die Zahl der Schüler ohne Abschluss demnach zurück: 2009 verließen noch 17,63 Prozent der Schüler die Schulen in der Uckermark, ohne den Hauptschulabschluss erreicht zu haben, in der Prignitz waren es 18,64 Prozent und in Elbe-Elster 14,75 Prozent.

Für die Berechnung der Quoten wurde die Anzahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss eines Landkreises ins Verhältnis zu den Schülern gesetzt, die in diesem Landkreis ihre Vollzeitschulpflicht beendeten. Caritas-Präsident Peter Neher warnte dennoch davor, sich nun zufrieden zurückzulehnen. Jugendliche ohne Abschluss hätten nur eingeschränkte Lebensperspektiven.

Auch Brandenburger Politiker reagierten auf die Ergebnisse der Studie besorgt. So sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Gordon Hoffmann, dass jeder Schulabgänger ohne Schulabschluss ein Problem darstelle. "Desto schlechter Jugendliche ausgebildet werden, desto größer ist am Ende die Jugendarbeitslosigkeit", so Hoffmann. Das Land habe schon heute mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Da sei es erschreckend, dass die Landesregierung noch immer "meilenweit entfernt" sei vom selbst gesteckten Ziel, die Zahl der Schulabbrecher zu halbieren.

Auch der FDP-Bildungspolitiker und Fraktionsvorsitzende Andreas Büttner verwies darauf, dass Brandenburg bei den Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss noch immer deutlich über dem Bundesdurchschnitt liege. "Wenn deren Anteil so hoch ist, müssen wir stärker auf individuelle Förderung und Berufsorientierung der Jugendlichen abzielen", so Büttner. Bedenklich sei zudem, dass gerade berlinferne Landkreise wie Elbe-Elster oder die Uckermark hohe Quoten von Schülern aufwiesen, die über keinen Hauptschulabschluss verfügten. "Wir müssen auch im ländlichen Raum mehr Zukunftschancen schaffen."

Projekte für Schulverweigerer

Das Potsdamer Bildungsministerium verwies auf Anfrage der RUNDSCHAU darauf, dass man sich bei der eigenen Berechnung der Schulabbrecherquote auf die Daten der Wohnbevölkerung und nicht auf die Zahl der Schüler, die ihre Vollzeitschulpflicht beenden, berufe. Deshalb wichen die eigenen Daten leicht von denen der Caritas ab - im Schuljahr 2011/2012 beendeten demnach 8,4 Prozent der Brandenburger Schüler die Schule ohne Abschluss. "Deutlich zu erkennen ist aber die Tendenz, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss seit dem Schuljahr 2008/09 kontinuierlich sinkt", so die stellvertretende Sprecherin Antje Grabley. Dazu habe auch beigetragen, dass verschiedene Projekte des Landes Brandenburg für Schulverweigerer erfolgreich verliefen. Dass es in manchen berlinfernen Landkreisen, etwa Prignitz und Uckermark, hohe Werte für Schüler ohne Abschluss gebe, hänge auch damit zusammen, dass dort besonders viele Schüler eine Förderschule besuchten, die keinen von der Kultusministerkonferenz anerkannten Schulabschluss vergeben könnten.