Ihr Wahlkreis Herne/Bochum II gilt als sichere Bank für die SPD. Darauf will sie sich aber nicht ausruhen: Antrieb für ihr Engagement sei die Hoffnung, etwas verändern zu können. Und was? "Die Welt natürlich. Wird auch dringend Zeit", sagt die junge Frau lachend. Sie will für einen frischen Blick auf alte SPD-Versprechen stehen. "Meine Generation bringt auch neue Erfahrungen mit. Aufstieg durch Bildung ist heute nicht mehr selbstverständlich" - auch für den top-ausgebildeten Nachwuchs sei es oft schwer, den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen.

Verbraucherschutz, Bürgerrechte und kommunale Infrastruktur interessierten sie als Themen besonders. Mit 19 kandidierte sie erstmals für den Rat ihrer Geburtsstadt, "Wir Jusos hatten uns verschworen und wollten unbedingt einen von uns da drin haben", erinnert sie sich. Auch als es nicht auf Anhieb klappte, blieb sie am Ball, wurde später Fraktionssprecherin für Schulpolitik, ist Vize-Vorsitzende der Herner SPD, Mitglied im Landesvorstand. In einem Ausbildungsprogramm für den kommunalpolitischen Nachwuchs traf sie erstmals den 40 Jahre älteren Franz Müntefering, den sie 2009 heiratete. Heute ist es der aus dem Bundestag scheidende Ex-SPD-Chef, der zu seiner Frau aufschaut. Ihr Mann war zwei Jahre älter als sie jetzt, als er vor 38 Jahren erstmals in den Bundestag einzog. Die Warnung des Politprofis Herbert Wehner an den jungen Einsteiger, er solle seinen Enthusiasmus nicht verlieren, gibt dieser heute an seine Frau weiter. "Wenn ein Mensch die Leidenschaft hat, was zu gestalten, dann muss er das auch machen", sagt er, "die Ausdauer und die Bereitschaft, sich einzumischen hat sie schon gezeigt." Der medialen Aufmerksamkeit für eine Müntefering ist sie sich bewusst. Sie hofft, dass der Status als "Frau vom Franz" einmal kein Thema mehr sein wird. "Ich mache ja nicht erst seit gestern Politik."