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| 02:41 Uhr

Viehdiebe versetzen Bauern in Angst

Die Meldungen über Viehdiebstähle häufen sich. Wie von Geisterhand scheinen Kühe von den Weiden zu verschwinden.
Die Meldungen über Viehdiebstähle häufen sich. Wie von Geisterhand scheinen Kühe von den Weiden zu verschwinden. FOTO: sara_winter/ra2 studio/Fotolia/Montage: Schubert/lr
Potsdam. Die Nerven liegen bei Landwirten ob der vielen Viehdiebstähle blank. Gegen professionell agierende Täter scheint kein Kraut gewachsen. Georg-Stefan Russew und Natalie Skrzypczak

Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass in Brandenburg irgendwo ein Viehdiebstahl gemeldet wird. Zumindest diesen Eindruck haben mittlerweile viele Landwirte. Zuletzt wurden einer Agrargenossenschaft in Jänsch walde (Spree-Neiße) am Wochenende 30 Rinder gestohlen. Die Polizei tappt bislang im Dunklen.

Auch Heidi Wittgen ist tief verunsichert. Ende Januar stahlen Viehdiebe ihrer Agrargenossenschaft in Neißemünde (Oder-Spree) vier Zuchtbullen aus dem Stall. "Das ist ein Schaden von 20 000 Euro", sagte die Vize-Chefin des Betriebs. Damit die Zucht überhaupt weitergehen kann, wurde tief in die Tasche gegriffen, ein neuer Bulle angeschafft. "Ein mulmiges Gefühl bleibt zurück, weil die Diebe jederzeit wiederkommen können", sagte Wittgen.

"Das scheinen echte Vollprofis zu sein, und das macht uns große Sorgen", sagte Sebastian Scholze vom Landesbauernbund Brandenburg. Die Viehdiebe gingen gezielt vor, holten sich stets die besten Exemplare. "Die wissen, was sie tun. Sie müssen vorher alles genau ausspionieren oder bekommen Tipps", deutete er das Geschehen.

Das sieht auch Thomas Vogt so, Geschäftsführer einer Agrargenossenschaft nahe Brandenburg/Havel. Diebe hatten im vergangenen Mai Zaunanlagen in Schmerzke aufgehebelt und 40 Rinder auf einen Laster geladen. "Zum Glück haben Anwohner das Treiben mitbekommen und ein Angestellter von uns ist gleich hinterher", erinnerte sich Vogt. Über die Autobahn seien die Viehdiebe in Richtung Osten gerattert.

"Irgendwie müssen sie dann mitbekommen haben, dass sie verfolgt wurden, und haben ihren Laster auf die Raststätte Michendorf gesteuert und sind getürmt", erzählte Vogt. Die Rinder habe er zwar wiederbekommen. Aber ob die Polizei die Täter gefasst hat, wisse er nicht. "Am Laster waren polnische Kennzeichen angebracht. Als gestohlen gemeldet war er nicht", sagte Vogt.

Viele Rinderzüchter fühlen sich nach Angaben des Bauernbundes allein gelassen. Oft bekämen Landwirte zu hören, dass die Polizei zur Bewachung von Rindern keine Streifenwagen abstellen könne. "Wir haben tatsächlich das Gefühl, dass die Aufklärung bei der Polizei keine oberste Priorität genießt", sagte Scholze.

Die Ordnungshüter wollen das so nicht stehen lassen. Die Brandenburger Polizei sei jetzt dabei, zentral gegen professionell organisierte Viehdiebstähle im Land vorzugehen.

"Wir sind derzeit intern in den Abstimmungen", sagte Polizeisprecher Mario Heinemann. In den vergangenen zwei Jahren hätten sich zwischen Elbe und Oder Rinderdiebstähle tatsächlich gehäuft. "2015 hatten wir 19 und ein Jahr später 24 Fälle", berichtete Heinemann. In diesem Jahr wurden vor allem in Ost- und Südbrandenburg fünf Fälle mit einem Schaden, der jeweils in die Zehntausende geht, gemeldet.

Nach den Worten Heinemanns geht die Aufklärungsquote "aktuell gegen null". Durch das Zusammenlegen von Ermittlungen erhoffen sich die Ermittler nun aber Fortschritte bei der Aufdeckung von Täterstrukturen. "Wir vermuten professionelle Täter, denn man klaut nicht ganze Herden, wenn man abends ein Steak essen will", betonte Polizeisprecher Torsten Wendt von der Direktion Süd. "In diesem Stil geht man nur vor, wenn man neue Herden aufbauen will." Viehdiebstähle machen nicht am Staatsgrenzen halt. So zerschlug die polnische Polizei im Januar eine Bande, die im vergangenen Jahr Rinder von mindestens fünf Höfen in der nordwestpolnischen Woiwodschaft Westpommern gestohlen haben soll. Fünf Verdächtige kamen in U-Haft. Einer der mutmaßlichen Täter ist Polizeiangaben zufolge selbst Besitzer eines großen Hofs. Dorthin seien die in Polen gestohlenen Tiere gebracht worden.

Verbindungen zu den Viehdiebstählen in Deutschland gab es nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht.