Die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) hofft im 20. Jahr ihres Bestehens auf einen Finanzsegen in Millionenhöhe für ihre Forschung. Innerhalb der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder kam sie als einzige Brandenburger Universität in die Endrunde. Dann wäre die Universität für die Zukunft gut aufgestellt, sagte Uni-Präsident Gunter Pleuger vor Journalisten. „Das ist eine einmalige Chance für Brandenburg, einen Erfolg zu haben, der auch langfristig die Universitätslandschaft beflügeln wird.“

Die Frankfurter bewarben sich mit dem Thema „B/orders in Motion“ und wollen zu verschiedenen Arten von Grenzveränderungen, beispielsweise auf sozial-, kultur- und wirtschaftswissenschaftlichem Gebiet, forschen. Sollten sie den Zuschlag erhalten, können sie über fünf Jahre ein sogenanntes Forschungscluster einrichten. Die Pariser Sorbonne hat der Viadrina bereits ihre Kooperation angetragen.

Eine Entscheidung, wer wie viele Fördergelder erhält, wird im Bewilligungsausschuss für die Exzellenzinitiative getroffen, dem neben berufenen Fachleuten auch die für Wissenschaft zuständigen Minister des Bundes und der Länder angehören. Termin ist der 15. Juni 2012.

Bei der als klein, aber fein geschätzten Stiftungsuniversität Viadrina gingen zum Wintersemester 2011/2012 auf die 1300 Studienplätze mehr als 6000 Bewerbungen ein – ein Rekord an der 1991 wiedergegründeten Hochschule. Inzwischen studieren dort rund 6000 junge Leute aus etwa 80 Ländern. Viele lockt die Einzigartigkeit ihrer Lage, direkt an der Grenze.

Aus Ost- und Mitteleuropa sollen verstärkt Studenten geworben und mit besonderen Studiengängen wieder mehr Polen für ein Studium an der Oder interessiert werden, sagte Pleuger. Derzeit stammen gut zehn Prozent der Studenten aus dem Nachbarland. Die Hochschule will ihr Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Polen-Studien ausbauen, im Collegium Polonicum mit der Universität Poznan ein Forschungsinstitut eröffnen sowie eine Stiftungsprofessur für deutsch-jüdische Studien einrichten. Von der Bilgi Universität Istanbul werden regelmäßig Gastdozenten kommen.

Die 1506 gegründete Viadrina wurde 1811 geschlossen und nach Breslau, dem heutigen Wroclaw, verlegt. Nach der Wende drängten verschiedene Initiativen auf eine Wiedergründung. Das 20. Akademische Jahr wird am Montag eröffnet.

Im Hauptgebäude informiert seit Mittwoch eine Ausstellung über „20 Jahre Viadrina im Bild“.