Diplomatischer Durchbruch im Syrien-Konflikt: Erstmals seit Beginn des Bürgerkriegs vor mehr als zwei Jahren haben sich die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat auf eine Resolution geeinigt. In dem Entwurf, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, wird Syriens Machthaber Baschar al-Assad aufgefordert, alle Chemiewaffen herauszugeben und vernichten zu lassen. Andernfalls soll es Konsequenzen nach Kapitel VII der UN-Charta geben.

Bevor die Vereinten Nationen jedoch tatsächlich grünes Licht für einen Militärschlag geben, müsste der Sicherheitsrat erneut zusammenkommen. Die Einigung kam am Donnerstagabend (Ortszeit) am Rande der UN-Vollversammlung zustande. Grundlage dafür waren direkte Verhandlungen zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, nachdem sich die Lage wegen des Giftgas-Einsatzes im August dramatisch zugespitzt hatte. Die Verabschiedung der Resolution galt nur noch als Formsache. Im Sicherheitsrat mit seinen 15 Mitgliedern reicht dafür eine Mehrheit von acht Stimmen, wenn keine der Vetomächte blockiert.

Der Giftgasangriff vom 21. August bei Damaskus mit seinen vielen Hundert Toten wird in dem Entwurf "tief entsetzt" verurteilt. Ein Hinweis auf die Täter fehlt jedoch darin. Der Westen ist überzeugt, dass das Assad-Regime dahintersteckt, konnte sich gegenüber Moskau jedoch nicht durchsetzen. Als Verbündeter Syriens hatte Russland seit Beginn des Bürgerkriegs zusammen mit China jede Resolution gegen Assad im Sicherheitsrat verhindert.

Unterdessen gingen die Kämpfe in dem Bürgerkriegsland weiter. Mindestens 37 Menschen wurden am Freitag bei einem Sprengstoffanschlag in der Rebellenhochburg Rankus bei Damaskus getötet. Bislang kamen in Syrien bereits mehr als 100 000 Menschen ums Leben. Hunderttausende Kinder, Frauen und Männer sind auf der Flucht. Die Abstimmung im Sicherheitsrat wurde in der Nacht zum heutigen Samstag erwartet.