Seit Monaten sucht Brandenburg einen Landestierarzt. Doch Veterinäre im Land beklagen in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten nicht zuerst diesen Zustand. Vielmehr geht es in dem Schreiben darum, dass sich die Tierärzte "große Sorgen um die ministerielle Anleitung und Fachaufsicht der Kreise und kreisfreien Städte in Bezug auf die Tierseuchenbekämpfung, den gesundheitlichen Verbraucherschutz, den Tierschutz und die Tierarzneimittelüberwachung sowie die Vertretung der Interessen des Landes auf diesen Gebieten innerhalb des Bundes" machen.

Der Vorsitzende des Verbandes der Tierärzte im öffentlichen Dienst Dr. Knut Große verweist in dem Brief an Dietmar Woidke darauf, dass die Gefahr der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest aus Osteuropa über die lange Grenze zu Polen oder entlang der Autobahnen in Brandenburg ein ständiges Damoklesschwert darstelle. Es werden Schweine- und Wildschweinebestände bedroht, so heißt es, was für viele Landwirte und Wildhändler den Verlust der beruflichen Existenz bedeuten würde. "Aber auch für andere Tierseuchen wie die Geflügelpest, die Bovine Herpes Virus 1 Infektion und die Bovine Virus Diarrhoe sind Strategien zu entwickeln, wie die Seuchenfreiheit dauerhaft aufrechterhalten werden kann", schreibt Große.

Warum sich die Veterinäre jetzt an den SPD-Regierungschef wenden: Gleich drei Abteilungs- bzw. Referatsleiter-Stellen im Ministerium von Helmuth Markov (Linke) - die für Verbraucherschutz, für Allgemeine Angelegenheiten des Veterinärwesens und der Lebensmittelüberwachung sowie die für Lebensmittel-, Futtermittelsicherheit und Fleischhygiene - sind nicht besetzt. Letztere seit Dezember 2010.

Ministeriumssprecherin Maria Strauß verweist darauf, dass Besetzungsverfahren laufen und im Übrigen "die Aufgaben durch Vertreter wahrgenommen werden". Doch das bezweifeln die Standesvertreter wie auch der CDU-Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann: "Der gesundheitliche Verbraucherschutz wird im Land seit Jahren vernachlässigt." Der Oppositionspolitiker sieht in dem derzeitigen Zustand, "die Fortsetzung der Linie von Markovs Vorgängerin Anita Tack". Die Linke-Politiker würden es versäumen, wichtige Kontrollaufgaben vollumfänglich im Interesse der Brandenburger wahrzunehmen.

Wichmann wird im Landtag eine Erklärung fordern, wie auch die Fraktion der Grünen. "Ich bin verwundert über das Ausmaß der Nichtbesetzung von Stellen", erklärt der Fraktionssprecher für Verbraucherschutz im Landtag Benjamin Raschke. Es müsse angezweifelt werden, "dass das Ministerium in Krisenzeiten überhaupt noch handlungsfähig ist". Deshalb haben die Grünen für die nächste Landtagssitzung eine Kleine Anfrage gestellt, die sofort beantwortet werden müsse.

Die Cottbuser SPD-Landtagsabgeordnete Martina Münch wird bereits heute im Verbraucherausschuss des Parlaments die Regierung befragen. Denn sie räumt ein, dass die Not offenkundig groß ist: "Denn man wendet sich ja nicht sofort an den Ministerpräsidenten."