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Vestas-Innovation startet von Brandenburg in die Welt

Vestas-Flügel aus Lauchhammer drehen sich weltweit. Diese Blätter vom Typ V 126 wurden im Mai bei Eiterfeld-Buchenau (Hessen) montiert.
Vestas-Flügel aus Lauchhammer drehen sich weltweit. Diese Blätter vom Typ V 126 wurden im Mai bei Eiterfeld-Buchenau (Hessen) montiert. FOTO: dpa
Lauchhammer. Der Rotorblatthersteller aus Lauchhammer stößt 15 Jahre nach Werksgründung in neue Dimensionen vor – nicht nur in der Produktion. Jan Augustin

Vestas-Innovation startet von Brandenburg in die Welt: Unter diesem Motto macht sich Brandenburgs Wirtschafts-Staatssekretär Hendrik Fischer an diesem Donnerstag ein Bild von dem Werk in Lauchhammer. Der Windkraftpionier will seine "V 136" vorstellen. Ab sofort geht das Rotorblatt der fünften Generation in Serienproduktion.

67 Meter ist der neue Flügel lang. Der Rotordurchmesser an einem Windkraftrad beträgt dann 136 Meter, fast so hoch wie der Berliner Funkturm. Die Formel ist einfach: Je größer das Windrad, desto größer der Energieertrag. Die Windenergiebranche will immer mehr und immer effizienter Strom produzieren und benötigt deshalb noch stärkere Anlagen. Die installierte Leistung aus Windkraft wächst weiter in der gesamten Welt. Die Nachfrage auch. Und damit Vestas. Vor 15 Jahren hat das dänische Unternehmen den Grundstein für das Werk in Lauchhammer gelegt. Mit 300 Beschäftigten startet Vestas ins erste Jahr. Der erste Flügel, das "V 80", misst 39 Meter. Blätter und Mitarbeiterzahl sind seitdem stetig gestiegen.

Heute arbeiten fast dreimal so viele Menschen im Werk: etwa 815, wie Geschäftsführerin Hanne Dinkel bestätigt. Vestas hat für die nächsten Monate angekündigt, insgesamt 150 neue Arbeitsplätze zu schaffen und 150 Zeitarbeiter zu übernehmen, um die Produktion für die neuen "V 136" sicherzustellen. Bei der Personalsuche setzt Vestas seit Jahresbeginn vermehrt auch auf den Einsatz von Flüchtlingen. Erste Einstellungen sind erfolgt, weitere angekündigt. Im Juli sollen fünf neue Flüchtlinge eingestellt werden. Und in einer nächsten Runde noch einmal vier. "Wir brauchen sie händeringend in der Produktion", sagt Hanne Dinkel.

Die Werkleiterin hat vor gut einem Jahr die Geschäfte in Lauchhammer übernommen. Ihre berufliche Laufbahn beginnt die heute 50-Jährige in Köln bei Ford und diese spielt sich seitdem hauptsächlich in der Automobilindustrie ab. 2009 fängt Hanne Dinkel bei Vestas in Dänemark an. Seitdem kennt sie auch das Werk Lauchhammer und ist oft vor Ort. "Für den Konzern Vestas ist das Werk Lauchhammer bedeutend, weil es zum einen in einem der wichtigsten Märkte liegt, zum anderen, weil hier in den vergangenen 15 Jahren sehr viel Know-how für den Flügelbau aufgebaut wurde", sagt sie. Diese Kompetenz werde auch in Entwicklungsprojekten nachgefragt. "Und wir unterstützen weltweit andere Standorte zum Thema Ausbildung und Training", erläutert die in Schwaben aufgewachsene Geschäftsführerin, die ihren Lebensmittelpunkt zurzeit in Leipzig hat und dort mit ihrer Frau und den Kindern wohnt. "Wir haben eine Zweitwohnung in Senftenberg, in der wir auch gerne Ferien oder Wochenenden mit den Kindern verbringen. Wir schätzen die Lausitzer Seenlandschaft sehr", betont sie.

Die Produktion des neuen Riesenflügels sei eine Prozessinnovation, die von Vestas entwickelt und patentiert wurde. "Die Besonderheit des Blattes ist die Struktur-Schale, die in Hybrid-Technologie hergestellt wird", erklärt Hanne Dinkel. Die neue Technologie biete einen weiteren Vorteil: Sie erlaubt eine Kapazitätserweiterung am Standort ohne größere Gebäudeerweiterungen. Wie die Vorgängermodelle sollen die Blätter weltweit ausgeliefert werden. Die ersten drei Blätter bleiben jedoch in der Lausitz. "Die ersten drei Flügel sind für eine Turbine in Lieskau bestimmt", verrät Hanne Dinkel. Noch aber hat der erste Riesenflügel das Werk nicht verlassen. Am Mittwoch wurde er aber abgeformt und ist somit in der Struktur fertig. Jetzt muss nur noch der Lack drauf. Ob mit der "V136" die Produktionsgrenze in Lauchhammer erreicht sei, verneint Geschäftsführerin Hanne Dinkel. "Wir können mehr. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht", sagt sie. Jetzt aber müsse man sich erst einmal auf die Herstellung des neuen Blattes konzentrieren.

Zum Thema:
Laut dem öffentlich zugänglichen Bundesanzeiger hat Vestas in Lauchhammer im Jahr 2015 insgesamt 1360 Rotorblätter produziert. Das sind im Schnitt fast vier Stück pro Tag. Grund für diese positive Entwicklung sei die Produktionsauslastung. Damals machte das Unternehmen einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von rund 2,6 Millionen Euro (Ebit). Aktuellere Zahlen sind im Bundesanzeiger nicht verfügbar. Der RUNDSCHAU hat das Unternehmen keine Auskünfte über Umsatz-, Gewinn- oder Stückzahlen gemacht. Als Grund dafür wurde die Konkurrenzsituation auf dem Markt genannt. www.bundesanzeiger.de