Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte daraufhin, der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes habe "zur notwendigen Klärung" beigetragen. Dennoch riss die Kritik an Vesper nicht ab. Vesper sagte, seine Äußerungen in der ARD-Sendung "Weltspiegel" seien falsch verstanden worden. Er lehne die Zensur der Presse in China entschieden ab. "Ich habe noch einmal gesagt, dass zwar die Tatsache, dass es überall in der Welt gesperrte Internetseiten gibt, richtig ist", sagte er gestern. "Aber ich habe sehr deutlich gemacht, dass ich damit auf keinen Fall diesen Vergleich ziehen wollte." Vize-Regierungssprecher Steg erkläre, Vesper habe nun selbst eingeräumt, "dass es vielleicht kein glücklicher Vergleich war".
Die Äußerungen des deutschen Sportfunktionärs stießen quer durch die Parteien auf Kritik. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz warf Vesper in den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" eine "skandalöse Verharmlosung der chinesischen Zensur" vor und forderte eine "schnelle Entschuldigung". Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach sprach von einer "Bagatellisierung".
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel wird in der "Passauer Neuen Presse" mit dem Satz zitiert: "Herrn Vespers unverschämte Gleichsetzung der chinesischen Zensur mit dem deutschen Einsatz gegen Neonazis ist durch nichts zu rechtfertigen." Die menschenrechtspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Erika Steinbach, kritisierte, Vesper sei "dem chinesischen System willfährig ergeben".
Der sportpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Winfried Herrmann, forderte den Sportfunktionär auf, seine Äußerungen "schleunigst" zurückzunehmen. Es reiche nicht aus zu sagen, er habe keinen Vergleich gezogen, sagte Herrmann dem heutigen "Kölner Stadt-Anzeiger". Sein Grünen-Parteikollege Volker Beck hatte den Vergleich als "aberwitzig und irritierend" bezeichnet. Der Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Peter Danckert (SPD), sagte in einem Zeitungsinterview, der Vergleich verbiete sich: "Wir sprechen hier doch nicht über Internetseiten mit strafrechtlich relevanten Inhalten. Wir sprechen über Amnesty International."
Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, bezeichnete einen Vergleich zwischen Internetseiten von Menschenrechtsorganisationen mit rechtsradikalen Sites als "unerträglich". "Ich glaube, hier müssen auch Konsequenzen gezogen werden", erklärter er auf n-tv. "Dass man sich da einfach entschuldigt, das reicht nicht aus." (AFP/dpa/ta)
Ausführliche Informationen zu den Olympischen Spielen in Peking: www.lr-online.de/olympia-2008