Von den Baukosten in Höhe von rund einer Milliarde Euro blieben nach Unternehmensangaben 16 Prozent Auftragsvolumen in der Region. Während des Baus des 135 Meter hohen Kesselhauses und des noch 20 Meter höheren Kühlturms gab es keinen schweren Unfall.

Für den Energiekonzern Vattenfall ist die offizielle Inbetriebnahme der neuen Anlage am heutigen Donnerstag ein wichtiger Schritt, um noch möglichst lange Braunkohlestrom auf dem deutschen Energiemarkt verkaufen zu können. Für Umweltaktivisten wie Greenpeace und die Grüne Liga, Umweltgruppe Cottbus, ist der Neubau dagegen ein "Auslaufmodell". Sie hoffen, dass in Boxberg das letzte Braunkohlekraftwerk in Deutschland errichtet wurde.

Protest auf Baustelle

Ein halbes Jahr nach der Grundsteinlegung besetzten Greenpeace-Aktivisten Baukräne, ent-rollten Transparente und sprühten eine Protest-Parole auf den Rohbau des Kühlturms. Die Bauarbeiten mussten deshalb kurz angehalten werden.

Wesentlich längere Verzögerungen verursachte ein neuer Stahltyp, den Anlagenbauer am Dampfkessel einsetzten. Die Schweißnähte dieses Stahls, der besonders hitzestabil sein sollte, hielten jedoch nicht dicht. Das Material, das auf Kraftwerksbaustellen in ganz Deutschland Ärger machte, musste ausgetauscht werden.

Im Februar 2012 bestand der neue Block mit 675 Megawatt (MW) Leistung seine Feuertaufe beim ersten Anschluss an das öffentliche Stromnetz. Danach wurde die Anlage weiter optimiert und geht jetzt in den Dauerbetrieb.

Drosselung in 20 Minuten

Die neue Anlage zur Braunkohlestromerzeugung kann in rund 20 Minuten vom Maximalbetrieb auf die technische Mindestlast herunter beziehungsweise wieder hochgefahren werden. Die technische Mindestlast ist die höchste Drosselung der Anlage, die möglich ist, ohne das Kraftwerk für mehrere Tage stillzulegen. Für den neuen Block R liegt diese Mindestlast nach Unternehmensangaben unter 330 Megawatt, das sind weniger als 50 Prozent.

In Boxberg betreibt Vattenfall bereits zwei 500 Megawatt-Blöcke und eine 900 Megawatt-Einheit. Diese benötigen 16,4 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr. Der Neubaublock erfordert weitere 4,5 Millionen Tonnen jährlich. Der Brennstoff wird in den benachbarten sächsischen Tagebauen Nochten und Reichwalde gefördert.

Die Grube Reichwalde war 1999 stillgelegt worden. Zur Versorgung des neuen Kraftwerksblockes wurde 2011 der Förderbetrieb wieder aufgenommen. Dafür investierte Vattenfall 350 Millionen Euro. Der Neubau in Boxberg war auch eine Bedingung der sächsischen Staatsregierung dafür, dass der Tagebau Nochten weiter nach Norden getrieben werden darf.