Mit Dean steigt eine der schillerndsten Figuren der amerikanischen Politik aus dem Rennen aus. Wie kaum ein anderer Politiker hatte er es von Anfang an verstanden, die linken Wähler der Demokraten und die Basis zu mobilisieren. Dafür nutzte er besser als alle anderen das Internet. Überall im Lande konnten sich Anhänger des einstigen Gouverneurs des kleinen Bundesstaates Vermont über das Internet zu politischen Gesprächsrunden verabreden. Wer wissen wollte, wo abends Treffen der Dean-Fans geplant waren, musste nur seine Postleitzahl eingeben und schon verriet der Rechner, wo im Viertel die nächste Versammlung stattfinden würde. An manchen Abenden waren es vor allem in den eher links wählenden Ostküsten-Städten Dutzende von Treffen.
Was vor allem viele junge Wähler mitriss, war Deans scharfe Kritik an dem Mann, den er im Weißen Haus ablösen wollte. Während sich alle anderen führenden demokratischen Politiker noch mit Kritik an Bushs Irak-Politik zurückhielten oder ihn sogar unterstützen, weil sie fürchteten, sonst als unpatriotisch dargestellt zu werden, ließ Dean nicht locker. Er warf dem Präsidenten vor, einen grundlosen Krieg zu führen, der Hunderte von US-Soldaten das Leben gekostet und Milliarden Dollar verschlungen habe.
Nach und nach merkten dann die anderen Kandidaten, dass die Kritik bei den Wählern zunehmend einen Nerv traf, und sie übernahmen Deans Kurs. Schon bald musste der Arzt aus dem Klein-Staat Vermont im Norden der USA erkennen, dass der einstige Vietnamkriegsheld John Kerry für viele Wähler die Kritik glaubhafter vermitteln konnte. Hinzu kam, dass Dean mit seinem immer wieder aufflammenden Jähzorn nicht wenige Wähler verschreckte. Mit einem Ausbruch vor laufenden Kameras nach seiner ersten Niederlage im Bundesstaat Iowa grub sich Dean letztendlich sein eigenes Grab.
Tagelang wiederholten alle amerikanischen Fernsehsender das laute Brüllen des geschlagenen Kandidaten. Von da an ging es nur noch bergab. Kerry etablierte sich als ein Kandidat, dem viele zutrauen, George W. Bush im Herbst zu schlagen, und Deans Anhänger verschwanden. Bezeichnend für das Ende waren Autoaufkleber mit der Aufschrift "Mit Dean geflirtet - Kerry geheiratet".
"Ehepartner" Kerry konnte bei der Vorwahl in Wisconsin erneut punkten. Wenn auch nur knapp - Senator John Edwards schließlich lag bei der gestrigen Stimmauszählung nur knapp hinter ihm. Trotzdem, der hoch dekorierte Vietnamveteran Kerry konnte 15 der bisher 17 Vorwahlen für sich gewinnen. Und auch für den "Superdienstag" am 2. März, wenn in zehn Staaten gleichzeitig gewählt wird, werden ihm gute Chancen eingeräumt. (dpa/uk)