"Jetzt geht es darum, dass wir uns wie
Dänen aufführen."
 Torsten Hesselbjerg,
Reichspolizeichef


Gestern, nach der ersten wieder ruhigen Nacht, bezeugten Verwüstungen in den Stadtteilen Nørrebro und Christianshavn sowie restlos überfüllte Haftzellen mit 650 Festgenommenen allerdings, dass Dänemarks Hauptstadt mehr durchgemacht hat als "die übliche Randale".
Entsetzt berichtete ein Reporter der Zeitung "Politiken" als Augenzeuge, wie er unter einigen Demonstranten gegen die Räumung des Autonomenzentrums "Ungdomshuset" eine "weitgehende und abgestumpfte Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben anderer" erlebt habe. 40 "abgefackelte" Autowracks, massenhaft zerstörte Fahrräder und geplünderte Geschäfte gehören zu den anderen Hinterlassenschaften. Im Stadtteil Christianshavn hatten Vermummte in der Nacht zum Samstag ein Gymnasium einfach deshalb gestürmt und verwüstet, weil es dem von ihnen als Basis genutzten, 1971 von Hippies auf einem ehemaligen Kasernengelände gegründeten "Freistaat Christiania" gegenüber liegt. Auf dem Schulhof zündeten sie zahllose Bücher an, die sie zuvor aus den Fenstern geworfen hatten. "Geschichtsbewusstsein haben diese Leute nicht. Sonst wüssten sie, dass Bücherverbrennungen immer gegen die Freiheit Andersdenkender gerichtet waren", meinte Rektor Jens Bencke in "Jyllands-Posten".
Das dürfte die Täter wenig scheren. Nach Meinung der Polizei und Medienberichten bestand der harte Kern der Demonstranten keineswegs nur aus dänischen Autonomen. "Deutsche Krawall-Profis" seien unter heimischen Sympathisanten des "Ungdomshuset" mit einer Mischung aus Respekt und Furcht genannt worden, hieß es in Zeitungsberichten. Zur weiteren Eskalation habe geführt, dass allerlei andere Interessenten von - Fußball-Hooligans über gewaltbereite Jugend-Gangs bis hin zu Neonazis - ihre eigenen gewalttätigen Ziele verfolgt hätten.
Angesichts dieser Situation wurde wenig Kritik an der betont harten Linie der Polizei laut. Dass es keine Schwerverletzten gab, galt als Erfolg ihrer Strategie. Mit Beginn der Räumung des Jugendzentrums nahmen die Ordnungshüter mit beispielloser Härte alle fest, die irgendwie mit "Randale" in Verbindung gebracht werden konnten. Als das die Ausweitung der Krawalle in der zweiten Nacht nicht verhindern konnte, richtete sich ihr Blick vornehmlich nach Deutschland: Zugereiste Krawallmacher aus dem südlichen Nachbarland hätten von da an eine "ganz wesentliche Rolle" gespielt.
Die gestern veröffentlichte Zahl von insgesamt 25 festgenommenen Deutschen schien das nur begrenzt zu bestätigen. Aber die Stimmung gegenüber Ausländern generell ist in Dänemark seit einigen Jahren nicht mehr sehr freundlich. Auch Reichspolizeichef Torsten Hesselbjerg sah in den Krawallen einen nationalen Aspekt, als er seinen Appell "an alle guten Kräfte" mit dem Satz schloss: "Jetzt geht es darum, dass wir uns wie Dänen aufführen."