"Fälle von familienversicherten Kindern ohne vollen Krankenversicherungsschutz kennen wir bei uns nicht", so die Auskunft der Brandenburger AOK. Die Mahnung säumiger Zahler sei immer mit dem ausdrücklichen Hinweis auf den zuständigen Sozialhilfeträger verbunden, so Matthias Gabriel von der AOK-Pressestelle. Denn wer nicht zahlt, weil er zu wenig verdient, habe möglicherweise Anspruch auf Sozialleistungen. Die Brandenburger Techniker-Krankenkasse (TKK) verhält sich anders. "Wir zahlen für mitversicherte Ehefrauen und Kinder alle Leistungen ohne Einschränkungen weiter", sagt TKK-Sprecherin Heike Weinert. Lediglich der säumige Versicherte selbst bekäme nur noch die Akutbehandlung finanziert. Eine Meldung zu diesem Thema hatte vor wenigen Tagen bedrohlich geklungen und für Aufregung gesorgt. Durch eine schwere Lücke im Gesetz zur Gesundheitsreform seien vermutlich Zehntausende Kinder ohne Krankenkassenschutz. Wegen Beitragsrückständen ihrer Eltern bekämen auch die mitversicherten Kinder nur noch eine ärztliche Notfallversorgung. Kinder würden dadurch für das Verhalten ihrer Eltern bestraft, so der Vorwurf, der sich auf Angaben der AOK Rheinland/Hamburg bezog. Dem widersprachen in Briefen an die RUNDSCHAU sofort zwei Lausitzer Politikerinnen heftig. Maria Michalk, CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Bautzen-Weißwasser und Martina Münch, SPD-Landtagsabgeordnete in Brandenburg, versicherten unabhängig voneinander, dass der Vorwurf ins Leere ginge. Die Situation für Angehörige von Beitragssäumigen sei durch die umstrittene Gesetzesänderung nicht schlechter, sondern sogar deutlich besser geworden, weil sie gerade nicht mehr komplett aus der Versicherung fielen. Ausgangspunkt ist die seit April 2007 bei den gesetzlichen Krankenkassen und seit Januar 2009 bei den privaten Versicherern per Gesetz eingeführte Regelung, dass niemandem mehr der Versicherungsschutz komplett entzogen werden darf. Wenn Selbstständige und andere freiwillig Versicherte jetzt mehr als zwei Monatsbeiträge schuldig bleiben und auf Mahnungen nicht reagieren, haben sie nun noch Anspruch auf eine "Akutversorgung". Dazu gehört die Behandlung aller plötzlich auftretenden Erkrankungen und Verletzungen, einschließlich Schwangerschafts- und Mutterschaftsleistungen, sowie alle medizinisch gebotenen Vorsorgeuntersuchungen auch für Kinder. Das bestätigte vor wenigen Tagen auch das Bundesgesundheitsministerium in seiner Antwort auf eine Anfrage aus der Bundestagsfraktion der Partei die Linke. Durch weitreichende Ausnahmen bei akuter Behandlungsbedürftigkeit sei die Leistungseinschränkung für säumige Zahler und ihre Angehörigen "in hohem Maße sozial abgefedert". Die niedergelassenen Ärzte bekommen von diesen Problemen ohnehin nichts mit. Wer mit einer gültigen Chipkarte in eine Praxis kommt, wird behandelt. Ob dem Patienten nur eine Akutversorgung zugestanden hätte, stellt sich erst später bei der Abrechnung mit der Krankenkasse heraus. Die Kasse muss sich dann mit dem jeweiligen Beitragsschuldner auseinandersetzen, der Arzt bekommt in jedem Fall sein Honorar.