Die kriminaltechnische Auswertung des in den Koffern gefundenen Materials dauere an, teilte die Karlsruher Bundesanwaltschaft gestern kurz und knapp mit. Und: Die Behörde ermittle "weiter in alle Richtungen".
Seit Tagen hüllen sich Deutschlands oberste Ankläger nun schon in eisiges Schweigen darüber, wie viel das Bundeskriminalamt wirklich über den oder die Täter weiß. So auch im Fall der Plastiktüte mit arabischen Schriftzeichen, die in einem der Koffer gefunden worden sein soll.
Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler stamme die Tüte aus der libanesischen Hauptstadt Beirut, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Die Fahnder rätselten noch darüber, was es mit dem seltsamen Fund auf sich habe - schließlich wäre die Plastiktüte wohl bei einer Explosion des selbst gebastelten Sprengsatzes vermutlich völlig verbrannt.

Falsche Spur gelegt„
Auch der Terrorismusexperte Rolf Tophoven äußert sich zurückhaltend zur Bedeutung des Fundes, dessen Existenz die Bundesanwaltschaft noch nicht einmal bestätigen wollte. Möglicherweise hätten der oder die Täter eine falsche Spur legen wollen, glaubt Tophoven. "Im Zusammenhang mit den Bombenfunden müssen noch eine Fülle von Fragen deutlich beantwortet werden: Waren die Sprengsätze zündfähig, waren sie scharf, sollten sie ferngesteuert werden, wann sollten sie explodieren und war möglicherweise ein Selbstmordattentat geplant“"
Antworten auf diese Frage müssten dringend gegeben werden, fordert Tophoven. Falls die Täter tatsächlich Terroristen seien, sei es allerdings "mehr als merkwürdig, dass sie eine solche Tüte dazulegen". "Terroristen gehen eigentlich nicht so vor", betont der Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung. An der Professionalität der oder des Täters seien in diesem Fall doch Zweifel angebracht: "Wenn es sich um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt hätte, wären die Bomben hochgegangen."

Abfahrt vom selben Gleis
Bleiben die Spuren nach Köln, zu denen die Ermittler ebenfalls nichts sagen. Fest steht, dass die beiden Regionalzüge mit den Sprengsätzen an Bord an drei Bahnhöfen der Domstadt gehalten haben. Im Kölner Hauptbahnhof fuhren die beiden Züge von Aachen nach Hamm beziehungsweise Mönchengladbach nach Koblenz sogar vom selben Gleis ab. Es erscheint also durchaus denkbar, dass die Koffer in Köln nacheinander in die beiden Züge gestellt wurden.