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| 01:22 Uhr

Verwaiste Schönheiten in der Lausitz

Ewige Suche: Die Schlösser GmbH sucht nach einem Investor für das Wasserschloss Großkmehlen.Seit vier Jahren leerstehend: Das Schloss Lipsa gehört einer Familie.Im Dornröschenschlaf: Das Lindenauer Schloss gehört einer Berliner Firma – passiert ist nicht viel.Neue Hoffnung: Das Schloss Hohenbocka ist vor wenigen Wochen an einen privaten Investor aus Drochow (Oberspreewald-Lausitz) verkauft worden.
Ewige Suche: Die Schlösser GmbH sucht nach einem Investor für das Wasserschloss Großkmehlen.Seit vier Jahren leerstehend: Das Schloss Lipsa gehört einer Familie.Im Dornröschenschlaf: Das Lindenauer Schloss gehört einer Berliner Firma – passiert ist nicht viel.Neue Hoffnung: Das Schloss Hohenbocka ist vor wenigen Wochen an einen privaten Investor aus Drochow (Oberspreewald-Lausitz) verkauft worden. FOTO: Fotos: Sascha Klein
Vier Schlösser – ein Schicksal: Im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises stehen im Umkreis von rund 20 Kilometern vier Schlösser leer, obwohl sie bereits teilweise saniert sind. Die prunkvollen Bauten werden seit bis zu 15 Jahren nicht mehr genutzt. Für eines gibt es wieder etwas Hoffnung: Das Schloss Hohenbocka ist gerade an einen Unternehmer aus Drochow (Oberspreewald-Lausitz) verkauft worden. Für die Eigentümer ist es nach wie vor schwer, einen geeigneten Nutzer für die Objekte zu finden. Von Sascha Klein


  „Es geistert offenbar die Annahme durch die Bevölkerung, solch ein Schloss sei für einen Euro zu haben.“
 Roland Adler, Amtsdirektor von Ruhland


Viele Hobby-Leichtathleten kennen das Hohenbockaer Schloss – sie rennen jährlich beim Lauf „Durch die Bucksche Schweiz“ direkt daran vorbei. Das Gebäude, das vor rund 110 Jahren auf dem Gelände des dortigen Rittergutes erbaut wurde, ist der Blickfang des knapp 1170 Einwohner zählenden Ortes im Amt Ruhland. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es unter anderem Heim für behinderte Kinder – bis 1992. Seitdem nagt der Zahn der Zeit an dem Schloss, das aussieht, als sei es einem Märchen entsprungen. In den Jahren 1993 bis 1995 wurde es teilweise saniert. Ein Käufer schien sich bis vor Kurzem trotzdem nicht finden zu lassen. Obwohl es an Interessenten nicht gemangelt hat: „Wir hatten in den vergangenen Jahren rund 40 Anfragen“ , sagt Ruhlands Amtsdirektor Roland Adler. Stichhaltige Konzepte seien aber Mangelware gewesen. „Doch es geistert offenbar die Annahme durch die Bevölkerung, solch ein Schloss sei für einen Euro zu haben.“

Tourismus als Verkaufsargument
Für Adler hat es beim Verkauf mehrere Punkte gegeben, die ein Käufer zu erfüllen hat: eine sinnvolle Nutzung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und eine stichhaltige Finanzierung. Diese Voraussetzungen hat der neue Käufer, ein Geschäftsmann aus Drochow, offenbar erfüllt. „Uns hat sein Konzept überzeugt“ , sagt der Amtsdirektor. Es soll um Tourismus, Wellness und Erlebnisgastronomie gehen. Über die Verkaufssumme schweigt sich Adler aus. Dies sei mit dem Käufer so vereinbart. Im August oder September kommt es laut Adler zur endgültigen Übergabe: „Es sind nur noch Formalien zu klären.“ Der neue Eigentümer, Reiner Tietz aus Drochow, will sich auf RUNDSCHAU-Nachfrage nicht detailliert zu seinen Plänen äußern. „Es gibt nichts Neues“ , sagt er. In frühestens sechs Wochen seien seine Vorstellungen spruchreif.
Mit dem Verkauf ist das Amt Ruhland neben der Ungewissheit, was mit dem markanten Hohenbockaer Schloss wird, auch die Nebenkosten los. Auf etwa 8000 bis 10 000 Euro schätzt Roland Adler die Ausgaben pro Jahr. Bis zum Jahr 1996/1997 sei das Gebäude sogar noch beheizt worden.
Im Gegensatz zu Hohenbocka ist die Zukunft anderer Schlösser in direkter Nachbarschaft offen. In Lipsa, nur etwa 15 Kilometer entfernt, steht das nächste Gebäude, das auf eine Nutzung wartet. Der nordrhein-westfälische Unternehmer Herbert Hillebrand, einst wegen seiner mehr als 25 Schlösser „Burgenkönig“ genannt, hatte sich Anfang der 90er-Jahre – nachdem die Fassade saniert worden war – dafür interessiert, Eigentümerin ist seine Tochter Anna geworden. Seit 2002 steht das Gebäude leer. Geplant war zunächst, dass das Schloss Standort für ein Altenheim wird. Doch auf den Baustart wartet nicht nur Amtsdirektor Roland Adler: „Den Bauantrag gibt es seit Jahren“ , sagt er kurz. Passiert sei bislang nichts. Laut Hillebrand ist die Idee einer Seniorenresidenz noch nicht vom Tisch: „Wir arbeiten zurzeit an der Planung. Näheres könnte im September oder Oktober dieses Jahres feststehen“ , sagt er auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Um das Schloss bis dahin zu nutzen, hat das Amt Ruhland vor Kurzem mit der Familie Hillebrand vereinbart, dass es den Festsaal für Eheschließungen nutzen kann. Einige haben bereits dort stattgefunden. Diese Möglichkeit soll es Hillebrand zufolge auch weiterhin geben.
Noch keine Bewegung gibt es dagegen im Schloss Lindenau. Im Ort, der wenige Kilometer von der Autobahnabfahrt Ortrand entfernt ist, liegt das Haus im Dörnröschenschlaf. Auf dem Areal mit seinen alten majestätischen Bäumen tummeln sich während des jährlichen Schloss- und Parkfestes mehr als 15 000 Gäste, doch im Gebäude herrscht gähnende Leere. Zunächst sollte dort, wo von 1951 bis 1998 ein Kinderheim untergebracht war, eine Seniorenresidenz entstehen. Doch schon vor rund drei Jahren war ein solches Projekt nach Angaben der Eigentümer gescheitert. Der Besitzer der Immobilie, die Procuro-Gesellschaft in Berlin, betont: „Die endgültige Verwendung ist offen. Wir beginnen jetzt jedoch mit der Sanierung“ , so Geschäftsführer Wolfgang Hamma. Die Räume würden zunächst in den Urzustand zurückversetzt, nachdem es durch die Kinderheimnutzung viele Umbauten gegeben hatte. Die Gesamtmaßnahme werde einige Millionen Euro verschlingen. Die genaue Höhe will Hamma nicht nennen.

Schnitt verhindert Hotelbetrieb
In öffentlicher Hand ist das größte der vier Schlösser im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Das Wasserschloss Großkmehlen, im 16. Jahrhundert als Renaissanceschloss erbaut, gehört der Brandenburgischen Schlösser GmbH. Dort steht seit Jahren das gleiche Schild: „Nutzer gesucht“ . Seit dem Jahr 2000 hat das Landesunternehmen in das 2500 Quadratmeter große Gebäude sowie das angrenzende Jägerhaus etwa 3,7 Millionen Euro investiert. Durch den ungünstigen Schnitt der Räume sei eine Nutzung als Hotel nicht möglich, sagt Jürgen Klemisch von der Schlösser GmbH. Vor Jahren hatte sich auch das Amt Ortrand gegen das Schloss als Verwaltungssitz ausgesprochen, so Klemisch. Ein Hoffnungsschimmer: Im Jägerhaus sind zwei von vier Wohnungen vermietet. Das große Schloss steht jedoch leer: „Wir müssen mit Geduld eine Nutzung finden. In Fürstlich Drehna haben wir 15 Jahre lang saniert, bis wir einen Mieter gefunden haben“ , sagt er. Die Standortfaktoren, zwei Kilometer von der Autobahn und 40 Kilometer von Dresden entfernt, seien gut. So will die Schlösser GmbH weiter in Großkmehlen investieren. Im Herbst soll die Schlossgrabenmauer saniert werden.

Hintergrund Lausitzer Schlösser
Rund die Hälfte der etwa 500 Schlösser und Herrenhäuser in Brandenburg liegen im Süden.
Von den Gebäuden, die die Bran denburgische Schlösser GmbH im Spreewald und in der Lausitz in Besitz hat, ist nur das in Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) vermietet. Die Gebäude in Martinskirchen und Doberlug-Kirchhain (beide Elbe-Elster), in Lieberose (Dahme-Spreewald) sowie in Altdöbern und Großkmehlen (beide Oberspreewald-Lausitz) sind noch unvermietet.
In Sachsen gibt es etwa 1000 Schlösser, Burgen und Gärten. Im Staatsbetrieb „Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen” befinden sich 19 Objekte, so auch das Barockschloss Rammenau (Kreis Bautzen). Kooperationspartner des Betriebs ist das Fledermausschloss in Weißig (Kreis Kamenz).