Der Anblick der ehemaligen Oberfinanzdirektion (OFD) am Cottbuser Nordrand ist trostlos. Die Fenster im Erdgeschoss des leer stehenden sechsgeschossigen Gebäudes und die Eingangstür sind mit Spanholzplatten vernagelt. Die Platten an der Tür sind mit Graffiti besprüht. Im Sommer 2004 haben hier die Mitarbeiter der OFD ihre Büros geräumt. Die oberste Finanzbehörde des Landes wurde aufgelöst. Ein Viertel der 400 Mitarbeiter wechselte ins Finanzministerium, die anderen zu den Finanzämtern. Etwa 30 Stellen wurden gestrichen. Genutzt wird seitdem nur noch ein Nebengebäude von Mitarbeitern des Landesumweltamtes. Die ziehen auch bald aus.
Verwalten und irgendwann verwerten muss den leer stehenden Großbau der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Brandenburg (BLB). Der wurde zum Jahresbeginn aus der bisherigen Liegenschaftsverwaltung neu gebildet. Dem Landesbetrieb mit vier Niederlassungen unterstehen zur Bewirtschaftung, zum Neu- und Ausbau die bisher beim zuständigen Amt verwalteten Grundstücke. Dazu kommen ab Januar 2007 alle Polizei- und Gerichtsgebäude sowie Gefängnisse. Während vor Jahren noch viel auf Landesrechnung gebaut wurde, geht es künftig mehr um Bewirtschaftung genutzter oder Vermietung und Verkauf ungenutzter Häuser. Davon wird es in den nächsten Jahren vermutlich immer mehr geben.
Eine Ursache davon ist die Verkleinerung und Zusammenlegung von Verwaltungen und Behörden. Das Landesumweltamt wurde umstrukturiert, ebenso die Polizei. Die Auflösung des Cottbuser Polizeipräsidiums kostete allein rund 300 Stellen. Auch die zentrale Aufnahmestelle für Aussiedler in Peitz wird nicht mehr gebraucht.
Eine andere Ursache für künftigen Leerstand ist die Umstellung der gesamten Bewirtschaftung auf ein Vermieter-Mieter-Modell. Das funktioniert so: Bisher haben Landesbehörden Gebäude zugewiesen bekommen. Künftig wird einer bestimmten Personalstärke, eine Fläche zugeordnet. Daraus berechnet sich das Geld, das der Behörde für Mietzahlungen zur Verfügung steht.
Nach Personalreduzierungen seien manche Büros zurzeit großzügig besetzt, bestätigt Karl-Heinz Kretschmer, Cottbuser Niederlassungsleiter des BLB. „Das neue Modell bringt mit Sicherheit Probleme, denn gemietet werden kann dann auch bei privaten Anbietern“ , so der Cottbuser Niederlassungschef.
Ziel der Umstellung ist ein betriebswirtschaftlich geführtes Gebäudemanagement in Brandenburg wie es viele andere Bundesländer, darunter Sachsen, bereits eingeführt haben. Einsparungen von zehn bis 15 Prozent bei den Bewirtschaftungskosten werden angepeilt. Im Freistaat soll noch in diesem Jahr darüber entschieden werden, ob ebenfalls das Vermieter-Mieter-Modell eingeführt wird, sagt Joachim Hübner, Geschäftsführer des Sächsischen Staatsbetriebes Immobilien und Baumanagement (SIB). Ab 2007, so Hübner, sollen auf jeden Fall die Verbrauchskosten den genutzten Flächen genau zugeordnet werden. Dazu sollen Richtlinien den Bedarf an Büroräumen für Landeseinrichtungen klar regeln. Eine Prognose über zu erwartenden Leerstand in der Lausitz und im Elbe-Elster-Land ist zurzeit noch nicht möglich, so die übereinstimmende Auskunft von Sächsischem und B randenburger Landesbetrieb.
Die Cottbuser Niederlassung der BLB, die für den Süden Brandenburgs zuständig ist, hat derzeit rund 35 Immobilien. Bis 2007 wird der neue Landesbetrieb mehr als 80 weitere Grundstücke übernehmen. In einem Jahr müssten alle Liegenschaften auch für die Eröffnungsbilanz bewertet sein, sagt Niederlassungsleiter Karl-Heinz Kretschmer. Noch nicht entschieden sei, was aus den erheblichen Flächenbeständen der Brandenburgischen Bau- und Boden-Gesellschaft (BBG) wird.
Schon heute befürchtet Kretschmer indes, dass es schwierig wird, manche überflüssige Landesimmobilie zu verkaufen. Nicht nur das ehemalige OFD-Gebäude in Cottbus wird nicht mehr gebraucht. In absehbarer Zeit steht das frühere Polizeipräsidium leer. Auch das alte Gefängnis in der Stadt wird seit fünf Jahren nicht mehr genutzt. Für die Sicherung allein dieses Geländes, das zum Teil unter Denkmalschutz steht, seien jährlich rund 30 000 Euro nötig, so Kretschmer.
Der Niederlassungsleiter hat deshalb eine Idee: Geld, das für vier, fünf Jahre Sicherung aufgewendet wird, könnte für die Aufwertung solch eine Immobilie durch Teilabriss und Beräumung ausgegeben werden. Dann sei es sicherlich leichter, einen Erwerber zu finden.
„Das ist nicht geplant“ , weist Ingo Decker, Pressesprecher von Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer, den Gedanken zurück. Die Liegenschaften würden so verkauft wie sie sind, Abrisskosten oder andere Wertminderungen über Preisnachlass berücksichtigt. Das könne bis zum symbolischen Preis von einem Euro gehen. „Wenn Ausschreibungen nichts bringen, gibt es neuerdings Versteigerungen“ , so der Pressesprecher. Für nicht mehr benötigte Immobilien werde keine unnötige Vorratshaltung betrieben: „Wir müssen sparen, überflüssige Liegenschaften können wir uns nicht leisten.“
Sachsen, so SIB-Geschäftsführer Joachim Hübner, sei bei seinen Verkäufen schon gut vorangekommen. Beim Verkauf von Wohnimmobilien aus Landeshand habe man gute Erfahrungen mit Paketangeboten gemacht: Wer gute Objekte wollte, musste auch ein paar schlechte mit abnehmen.
Bei gewerblichen Immobilien, so Hübner, sei es jedoch auch im Freistaat schwieriger, Abnehmer zu finden: „Ob wir da in finanzielle Vorleistungen zur Aufwertung gehen, das überlegen wir uns zweimal.“ Denken könne er sich das nur in begründeten Einzelfällen, wenn der anschließende Verkauf dadurch relativ sicher sei.

Hintergrund Neuorganisation der Liegenschaftsverwaltung
  Die Liegenschafts- und Bauverwaltung im Land Brandenburg wurde zum Jahresbeginn in einen Landesbetrieb überführt. Er hat eine Zentrale in Potsdam und vier Niederlassungen, eine davon in Cottbus.
Der Landesbetrieb ist dem Finanzministerium zugeordnet. Er hat eine unternehmensähnliche Geschäftsführung und soll nach betriebswirtschaftlichen Kriterien arbeiten.
Der Sächsische Staatsbetrieb für Immobilien und Baumanagement wurde bereits 2004 gegründet. Schwerpunkt der Immobilienverwertung im Freistaat sind die Regionen Chemnitz und Leipzig. Ostsachsen spielt dabei nur eine geringe Rolle.