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| 01:37 Uhr

Verurteilter Fatah-Chef Barguti gilt als Nelson Mandela der Palästinenser

Nach dreitägigen Kämpfen hat sich Israel aus Teilen des palästinensischen Flüchtlingslagers von Rafah im Gazastreifen zurückgezogen. Militärsprecherin Scharon Feingold sagte jedoch, es handele sich lediglich um eine „Umgruppierung“ der Truppen, die Operation sei „nicht abgeschlossen.“ Ein israelisches Gericht hat indes den palästinensischen Intifada-Führer Marwan Barguti wegen Mordes in fünf Fällen schuldig gesprochen. Das Strafmaß für den 44-Jährigen soll zu einem späteren Zeitpunkt festgesetzt werden. Von Sara Lemel

Für die Palästinenser ist Marwan Barguti der "neue Nelson Mandela". Der stämmige Mann mit dem buschigen schwarzen Bart ist seit Beginn seiner Haft in Israel der beliebteste palästinensische Politiker nach dem Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat. Im Westjordanland wird der hemdsärmlige Fatah-Chef, von Israelis als "Erzterrorist" verabscheut, sogar als Arafats "würdigster" Nachfolger gehandelt.
Trotz seiner Verurteilung wegen Mordes an Israelis rechnen viele Palästinenser wegen des politischen Charakters des Prozesses gegen Barguti mit einer künftigen Freilassung, etwa im Rahmen eines Gefangenenaustauschs.
Der am 6. Juni 1959 in einem Dorf bei Ramallah geborene Fatah-Chef gilt als Galionsfigur der jungen Generation im Westjordanland, als "Mann der Straße".
Schon mit 18 Jahren wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der Fatah-Bewegung von Israel verhaftet. Er nutzte seine sechsjährige Haft, um fließend Hebräisch zu lernen. Nach seiner Deportation in den Libanon folgte er Arafat ins tunesische Exil. Die Friedensverträge mit Israel ermöglichten ihm die Rückkehr in seine Heimat. Zunächst galt Barguti, der viele israelische Freunde hatte, als einer der Befürworter einer Versöhnung.
1996 zum Abgeordneten gewählt, wurden seine Erklärungen mit dem Scheitern des Friedensprozesses jedoch immer radikaler. "Wir werden diese Intifada solange fortsetzen, bis die Unabhängigkeit und Souveränität erkämpft ist", versprach er nach Beginn des Palästinenseraufstands vor fast vier Jahren. Er stemmte sich auch gegen mehrere Aufrufe Arafats zur Waffenruhe, sprach sich aber gleichzeitig gegen Selbstmordanschläge gegen Zivilisten in Israel aus.
Aus seiner Gefängniszelle zog er weiter die Fäden, zuletzt war er im letzten Sommer prominent an den Verhandlungen um eine Waffenruhe mit den radikal-islamischen Palästinenserfraktionen beteiligt. Bargutis Frau Fadwa (45), selbst Rechtsanwältin, sprach nach seiner Verurteilung von einem "politischen Urteil". Es handele sich um "die Verurteilung eines legitimen Kampfes, um die Intifada zu kriminalisieren". Der arabische Abgeordnete Mohammed Barake äußerte sich hingegen optimistisch: "Du wirst nicht so lange sitzen wie Mandela", rief er Barguti nach der Urteilsverkündung zu. "Dieselben Israelis, die dich jetzt verurteilen, werden später mit dir verhandeln."