Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck sitzt auf der Regierungsbank des Potsdamer Landtags, lächelt und lehnt sich zurück. "Ja!" sagte er, als ihn Schriftführer Gordon Hoffmann fragt, ob er der selbst gestellten Vertrauensfrage zustimme.

Zur Freude hatte der Brandenburger Ministerpräsident am Montag auch allen Grund: In der auf Antrag der CDU zustande gekommenen namentlichen Abstimmung stimmen - bis auf eine erkrankte Abgeordnete der Linkspartei - alle 55 Vertreter der Regierungskoalition sowie der fraktionslose Abgeordnete Gerd-Rüdiger Hoffmann für ihn.

Abweichler in den eigenen Reihen gibt es ebenso wenig wie im Oppositionslager: Dort stimmen alle 32 Abgeordneten von CDU, Grünen und FDP sowie der fraktionslose Abgeordnete Christoph Schulze gegen den Ministerpräsidenten. Zuvor freilich hat es im Landtagsplenum eine lebhafte Debatte über die Verantwortung für die neuerliche Verschiebung des Großflughafens gegeben.

In seiner Regierungserklärung spricht der Ministerpräsident zwar davon, dass der BER zu einem "negativen Symbol" für die ganze Region geworden sei, ruft aber zugleich zu gemeinsamen Anstrengungen für eine Fertigstellung des Projekts auf. "Wir müssen alle Kräfte daran setzen, den Flughafen zu einem Erfolg zu bringen." Erst wenn Klarheit über die genauen Zahlen des Flughafendesasters bestehe, werde man mögliche Auswirkungen auf den Landeshaushalt absehen können. "Die Entrauchungsanlage, so wie sie konzipiert ist, ist nicht funktionstüchtig und damit auch nicht genehmigungsfähig", hält Platzeck fest. Auch einen Eröffnungstermin könne es daher nicht geben. Ausdrückliches Lob gibt es dagegen für den LDS-Landrat Stephan Loge (SPD) und sein Team, das "eine hervorragende Arbeit" leiste. Und immer wieder wird Platzeck gefühlig, drückt auf Tränendrüsen und die große Zahnpastatube der Verantwortung.

"Ein Ministerpräsident hat seinem Land und dessen Bürgern gerade dann zu dienen, wenn die Zeiten schwierig werden", so Platzeck. "Alles andere wäre mit meinem Amtsverständnis nicht zu vereinbaren." Er sei zur Überzeugung gekommen, künftig noch mehr Verantwortung übernehmen zu müssen. "Und dafür bitte ich Sie als Ministerpräsident des Landes Brandenburg um Ihr Vertrauen."

Von der Opposition kann Platzeck dazu keine Zustimmung erwarten. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Andreas Büttner spricht aus, was viele denken: Die Rede von Platzeck habe zu großen Teilen aus Versatzstücken älterer Äußerungen bestanden, sei "Copy und Paste" gewesen. Erneut fordert Büttner die zügige Erstellung eines Nachtragshaushalts. "Die Menschen in diesem Land haben ein Recht darauf zu erfahren, welche Bereiche in diesem Land künftig unterfinanziert sind, weil die Flughafengesellschaft nicht in der Lage war, vernünftig zu planen", macht Büttner klar. "Sie haben unser Vertrauen nicht! Die Koalition hat dieses Vertrauen nicht! Dieses Land wird in die falsche Richtung geschickt!"

Einen schärferen Ton noch legt der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski an den Tag. Statt eines Deichgrafen sei Plat-zeck ein "Master of Desaster": "Für fast fünf Milliarden Euro steht nun ein unfertiger Flughafen in Schönefeld, der sich nach der Aussage des Technikchefs Horst Amann in einem grauenhaften Zustand befindet", sagt Dombrowski. "Herr Platzeck, was haben Sie eigentlich im Aufsichtsrat gemacht?` Sind Sie nie stutzig geworden?"

Die Ankündigungen der Koalition, künftig für "Wahrheit, Klarheit und Transparenz" sorgen zu wollen, weist Dombrowski zurück. "Im Umkehrschluss heißt das doch, Sie haben jahrelang zugesehen, wie getrickst und getäuscht wurde." Und an die Linken und die SPD stellt Dombrowski die Frage, von wem sie eigentlich über die Eröffnungsverschiebungen und Probleme am Flughafen informiert wurden.

Ein Zwischenruf der Abgeordneten Sabine Niels (Bündnis 90/Die Grünen) bringt es auf den Punkt: "Von der Bild!" Denn auch die Grünen machen am Montag deutlich, dass sie jedes Vertrauen in den brandenburgischen Ministerpräsidenten verloren haben.

Und während Dombrowski mit der Wucht der stärksten Oppositionspartei im Nacken auf den Ministerpräsidenten einschlägt und der FDP-Fraktionsvorsitzende Büttner vor allem die wirtschaftlichen Folgen des Desasters in den Blick nimmt, zeigt der Vorsitzende der nur fünfköpfigen Fraktion der Grünen einmal mehr, wer im Landtag der wirkliche Flughafenexperte ist.

"Wowereit und Platzeck agieren wie zwei Schelme, die in der Straßenbahn nach der Kontrolle des ersten vor den Augen des Kontrolleurs die Jacke tauschen und denken, der merkt es nicht, dass zweimal dasselbe Ticket aus der Jackentasche gezogen wird", sagt Axel Vogel. Wenn nun erneut die Rede von der Übernahme von Verantwortung sei, müsse er daran erinnern, dass gerade Platzeck "ein ums andere Mal im Hauptausschuss des Landtags wortreich begründete, warum der Aufsichtsrat aufgrund der Gesetzeslage eigentlich für fast gar nichts Verantwortung tragen könne und der bisherige Geschäftsführer Schwarz aufgrund seiner eingeschränkten Zuständigkeiten sowieso an allem unschuldig sei." Auch wisse er nicht, "was an Qualifikationen bei unserem Ministerpräsidenten hinzugekommen sein soll", dass er nun Aufsichtsratsvorsitzender werde. "Aber was heute als leicht errungener Sieg des Ministerpräsidenten wirken mag, wird am Ende teuer bezahlt werden", sagt Vogel. "Vielleicht nicht von ihm persönlich, mit Sicherheit aber von den Bürgern des Landes Brandenburg."