Das Weiße Haus in Washington warnte vor angeblichen Umsturzplänen der radikal-islamischen Hisbollah, Syriens und Irans im Libanon. Auch die Spannungen zwischen Israel und Libanon nahmen wieder zu. Zwei Tage vor Jungs Abreise war von Scheinangriffen der israelischen Luftwaffe auf die libanesische Stadt Nabatijeh berichtet worden.
Ein Beamter des syrischen Innenministeriums widersprach dem Vorwurf, einen Umsturz im Libanon zu planen. Der libanesische Innenminister, Ahmed Fatat, geht davon aus, dass "Terrorgruppen" das Land destabilisieren wollen. Auch die von den Vereinten Nationen geplante Einrichtung eines Sondertribunals zur Untersuchung des Attentats auf den libanesischen Ex-Regierungschef, Rafik Hariri, könnte nach Ansicht Fatats ein Grund für die Spannungen in seinem Land sein.
Jungs politische Mission gilt schon wegen der jüngsten Vorfälle zwischen deutschen Schiffen und israelischen Kampfflugzeugen sowie der Unklarheit über die Ausgestaltung des Marine-Mandats als schwierig. Heute will Jung in Beirut mit Regierungschef Fuad Siniora und Verteidigungsminister Elias Murr sprechen. In Jerusalem trifft er Israels Verteidigungsminister Amir Perez.
Die deutsche Marine hatte im Oktober das Kommando für die Seestreitkräfte übernommen, die als Teil der UN-Friedenstruppe Unifil Waffenschmuggel für die Hisbollah verhindern und die Souveränität Libanons sichern soll. Bisher habe es vor der libanesischen Küste 380 Kontrollen gegeben, sagte Thomas Raabe, Sprecher des Verteidigungsministeriums.
In Deutschland bröckelt indes die Unterstützung für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. In einer Befragung des Forsa-Instituts plädierten drei von vier Deutschen für weniger Auslandseinsätze. Im ARD-Deutschlandtrend forderten 69 Prozent eine Verringerung der Einsätze. Nach Ansicht von 29 Prozent der Befragten sollte die Zahl der Einsätze beibehalten werden, so das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Infratest dimap.
Auch die politische Debatte über die deutsche Beteiligung am UN-Einsatz hielt an. FDP-Chef Guido Westerwelle besteht auf einer erneuten Abstimmung im Bundestag, weil die Abgeordneten beim ersten Votum getäuscht worden seien. Die Kontrolle des Waffenschmuggels sei mit den Einschränkungen erschwert, sagte er. Die Grünen sind gegen einen Abzug der deutschen Soldaten. Der Grünen-Sicherheitspolitiker Winfried Nachtwei betonte die außenpolitische Dimension einer solchen Entscheidung. Ein Stopp des Bundeswehreinsatzes würde die Friedensmission in Nahost schwächen. (dpa/ab)

Zum Thema Palme mit Balkenkreuz
 Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte gestern einen "Stern"-Bericht, wonach Ende 2001 Soldaten der Elitetruppe KSK bei der Vorbereitung ihres Afghanistan-Einsatzes eineinem Wehrmachts-Zeichen ähnelndes Symbol verwendet haben. Die Palme erinnert an das Afrika-Korps der Wehrmacht. In der Mitte des Stammes befindet sich laut Ministeriumssprecher aber das Balkenkreuz, das von allen Bundeswehr-Einrichtungen verwendet wird. Daher handelt es sich bei der Palme auch nicht um ein verfassungswidriges Symbol. Es werde aber untersucht, warum die Palme auf die Fahrzeugtür gemalt wurde. Im Skandal um Totenschändungen hat die Bundeswehr weitere Verdächtige ermittelt und inzwischen sechs Soldaten vom Dienst suspendiert.