Der Prozess um den bizarren Tod eines Geschäftsmannes aus Hannover im sächsischen Gimmlitztal (Osterzgebirge) steht vor dem Ende - die Ungewissheit bleibt. Hat der Mann sich selbst getötet - mithilfe des wegen Mordes angeklagten Kriminalbeamten - oder hat der ihn umgebracht? "Wir wissen es nicht", stellte Verteidiger Endrik Wilhelm am Mittwoch fest. Das sei die einzig mögliche Antwort auf die das Verfahren entscheidende Frage, sagte er - und plädierte auf Freispruch für Detlev G.. Das Opfer Wojciech S. habe sterben wollen, um geschlachtet und einverleibt zu werden. Offen sei aber, "ob er den allerletzten Schritt selbst vollzog oder mit aktiver Hilfe unseres Mandanten".

Die Nebenklageanwälte indes sehen die Vorwürfe Mord und Störung der Totenruhe durch die seit August 2014 laufende Verhandlung bestätigt und forderten die Höchststrafe: lebenslange Haft. Oberstaatsanwalt Andreas Feron hatte Anfang März auf nur zehn Jahre und sechs Monate für den 57-Jährigen plädiert - auch weil S. habe getötet werden wollen. Letzteres bestritt die Anwältin der Familie des Toten. "Er hatte sich verliebt, zwei Kinder und wollte wieder heiraten; er wollte nicht sterben." Die Kammer will ihr Urteil am 1. April verkünden.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat Detlev G. den 59-Jährigen am 4. November 2013 im Keller seiner Pension im Gimmlitztal (Osterzgebirge) getötet, danach dessen Leiche zerstückelt und im Garten vergraben. Die Männer und ihre Fantasien waren sich in einem "Kannibalen-Forum" im Internet begegnet. Dort hatte S. lange nach jemandem gesucht, der ihn schlachten, zerstückeln und verspeisen würde. Am Morgen des 4. November 2013 setzte er sich in den Bus nach Dresden, wo G. ihn abholte. Der vom Dienst suspendierte Kriminalhauptkommissar hatte die Zerstückelung der Leiche zugegeben, die Tötung aber bestritten.

Ein Geständnis bei seiner Festnahme Ende November 2013 hatte er in diesem Punkt widerrufen. Insgesamt erzählte er vier Versionen des Geschehens, für das es nur ihn als Zeugen gibt. Ein Video, das G. an diesem Abend im Keller drehte, setzt erst ein, als S. scheinbar leblos in der Schlinge hängt. Nach Angaben des Rechtsmediziners hatte der Mann zu diesem Zeitpunkt noch gelebt.

Es sei schlicht nicht festzustellen, dass ihr Mandant S. getötet habe, betonte Verteidigerin Brigitte Bertsch. Für den Todeswunsch des Niedersachsen gebe es indes vielfache Belege in Chatprotokollen und Mails. "Er bestimmte, was geschah." Und der Angeklagte habe sich dem untergeordnet - wie bei früheren Chatpartnern. "Er ist unter keinen Umständen als Mörder zu verurteilen." Selbstmord sei mindestens so wahrscheinlich wie von fremder Hand getötet, erklärte Wilhelm.