In der Begründung geht die Verteidigung darauf ein, dass für sie kein hinreichender Tatverdacht bestehe. Dabei stütze sie sich auf die vorliegende DNA-Analyse, die auf Marcel V. als Täter deute. Allerdings, so die Verteidigung, würden die DNA-Spuren am Klebeband, mit dem das Opfer am Stuhlbein fixiert war, an Pullover und Hose nicht allein auf den 30-jährigen Schwarzheider verweisen. Nach der vorliegenden Analyse und deren biostatistischer Bewertung könnten die Spuren neben dem Vater des mutmaßlichen Täters weiteren sieben verwandten Personen zugeordnet werden. Es gebe deshalb keine "große Wahrscheinlichkeit", dass die DNA-Spuren zu Marcel V. gehören würden.

Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen am dringenden Tatverdacht fest. Der Vorsitzende Richter sicherte eine zeitnahe Entscheidung der Kammer zum Antrag der Verteidigung zu und verwies auf eine an der Berliner Charité in Auftrag gegebene weitere Bewertung der DNA-Analyse.

Unterdessen wurde die Zeugenbefragung in dem Indizienprozess fortgesetzt. Das Gericht hatte sich am vierten Verhandlungstag vor allem ein Bild über die getötete Gudrun R., deren Lebensumstände, Gewohnheiten und das Zusammenleben im Aufgang eines Senftenberger Plattenbaus machen wollen.

Dabei beschrieben Mitbewohner, die mehr als 30 Jahre lang mit ihr in einem Haus wohnten, Gudrun R. als "zurückgezogen lebend". Eine 62-jährige Zeugin schilderte, dass sie die "Postfrau" im Eingang gewesen sei. Sie habe Paketsendungen entgegen genommen, sei immer freundlich gewesen.

Wie weitere Zeugen verwies sie darauf, dass es in der Wohnung schmutzig und unaufgeräumt gewesen sei. "Ich würde die Situation als am Rande des Messietums bezeichnen", erklärte die Mitbewohnerin. Auch schätze sie die Getötete als gutgläubig ein, die von ihrer guten Rente sowie der Bergmannsrente ihres verstorbenen Mannes erzählte.

Nachfragen hatten Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung vor allem, als es um das Öffnen der Haustür und den Einlass von Personen in die Wohnung der Getöteten ging. Übereinstimmend erklärten Zeugen, dass Gudrun R. ohne Nachfrage den Türöffner betätigte. Ein Getränkelieferer und ein Zeitungsverkäufer bestätigten diese Einschätzung.

So spektakulär dieser Prozesstag begann, so ernüchternd endete er. Denn die 27-jährige Ehefrau des Angeklagten machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Und was sie zuvor bereits der Polizei zu Protokoll gegeben hatte, darf vor Gericht nicht verwandt werden.

Der Prozess wird am 7. Januar 2016 fortgesetzt.