Ganz genau wollten sich die Wissenschaftler bei der Begutachtung der Chemnitzer Urzeit-Gewächse nicht festlegen: Das Alter der Baumstämme liege bei 291 Millionen Jahren mit einem Spielraum von plus oder minus drei Millionen Jahren, teilten die „Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden“ am Montag mit. Bisher war das Alter des Waldes anhand von Fossilien auf nur 290 Millionen Jahre geschätzt worden.

Der Nachweis sei bei Untersuchungen von Vulkangestein gelungen. Geologen untersuchten dabei nach eigenen Angaben das Alter der Bäume anhand von nur 200 bis 250 Mikrometer großen Kristallen des Minerals Zirkon, das in Vulkanasche vorkommt. Ein Mikrometer sei 200 Mal kleiner als ein Punkt in einer Tageszeitung.

Diese Mineralien sind vor gut 290 Millionen Jahren bei einem Vulkanausbruch entstanden. Der begrub die Bäume im heutigen Chemnitz unter sich: Beim Ausbruch brachen sie durch die Druckwelle der Eruption aus ihren Wurzeln. Der Vulkan bedeckte sie daraufhin mit 80 bis 100 Grad Celsius heißem Auswurf und konservierte sie so über Millionen Jahre hinweg. Die Bäume gelten nun hinsichtlich Alter, Umfang, Artenvielfalt und Erhaltungszustand als einmalig auf der Erde.

Die ersten Funde der spektakulären Chemnitzer Ur-Pflanzen sind etwa 300 Jahre alt. Die Wissenschaft aber befasst sich erst seit 1820 mit den Hölzern. Gerade die Chemnitzer Funde trugen dabei zur Herausbildung der Paläobotanik bei – einer Wissenschaft über fossile Pflanzen. Diese Fachrichtung stellte unter anderem fest, dass die ersten Pflanzen vor knapp 490 Millionen Jahren die Erde begrünten.

Auf Grundlage eines Stadtratsbeschlusses von 2006 strebt Chemnitz die Anerkennung des Waldes als Unesco-Welterbe an. Es gebe noch weitere Geheimnisse um den Versteinerten Wald zu lüften, kündigten die Wissenschaftler an. Man darf gespannt sein.

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