"Man hat eine große Chance vertan, die Eigenständigkeit der Kommunen zu stärken", sagte der Vorsitzende des Landkreistages, Karl Heinz Schröter (SPD). Appel will nun dem Kabinett am Dienstag vorschlagen, die 457 Millionen Euro von den Ministerien über Landesprogramme zu verteilen. Das Geld werde bei den Kommunen ankommen, versicherte Appel. Mit versteinerten Gesichtern hatten die drei Männer nach fast vierstündigen Verhandlungen den Saal der Pressekonferenz betreten. Die Kälte zwischen Appel auf der einen sowie Schröter und dem Präsidenten des Gemeindebundes, Werner Große (CDU), auf der anderen Seite, verbreitete sich schlagartig im ansonsten wohltemperierten Raum 150 der Staatskanzlei. Schmallippig und nur mühsam beherrscht sprach Schröter von einer "überflüssigen Makulatur-Veranstaltung". Drei Viertel der insgesamt 457 Millionen Euro kommen vom Bund, ein Viertel müssen Land und Kommunen finanzieren. Vorgabe des Bundes ist, dass mindestens 70 Prozent der Summe in kommunale Projekte, 30 Prozent in Projekte des Landes gehen. Außerdem müssen knapp zwei Drittel für Bildung im weitesten Sinne ausgegeben werden (297 Millionen Euro). Dabei geht es etwa um die Sanierung von Kitas oder Schulen mit dem Ziel der Energieeinsparung oder um den Kauf teurer Geräte für die Forschung. Gut ein Drittel der Förderung ist für Infrastrukturprojekte wie Lärmschutz auf kommunalen Straßen, Krankenhaussanierung oder für schnelle Internetzugänge vorgesehen. "Wir wollten die Landesprogramme aufstocken. Das hätte einen schnellen Mittelabfluss gewährleistet", sagte Appel. Im Land gebe es rund 400 Kommunen. Eine Verteilung nach dem Gießkannenprinzip, etwa nach Einwohnerzahl, sei nicht sinnvoll. "Wir haben die Befürchtung, dass die Hilfe dann einfach zerrieselt." Beispiel: Die mit 394 Einwohnern kleinste Gemeinde, Kümmernitztal in der Prignitz, bekäme gerade mal 37 000 Euro. "Genau das will der Bund, nämlich, dass das Geld in den Kümmernitztälern ankommt", entgegnete Schröter, der auch Landrat im Kreis Oberhavel ist. Und Große - Bürgermeister von Werder/Havel - ergänzte, für die Gemeinde wäre das sicherlich fast schon wie ein Jackpot.