Wenn Bahnkunden lange warten müssen, können sie Geld zurückverlangen. Der Europäische Gerichtshof hat dieses Recht nun gestärkt. Laut EU-Gesetz haben Reisende bei Verspätungen von ein bis zwei Stunden das Recht auf Erstattung von mindestens einem Viertel des Fahrpreises. Ab zwei Stunden muss das Bahnunternehmen mindestens die Hälfte des Preises zurückzahlen.

Anspruch auf Entschädigung

Welche Rechte der Europäische Gerichtshof Bahnkunden zubilligtDiese Regelung gelte auch bei Verspätungen wegen höherer Gewalt wie Naturkatastrophen, entschied der Europäische Gerichtshof nun zu einem Fall aus Österreich. In Deutschland wurde die Entscheidung positiv aufgenommen: Die Deutsche Bahn erklärte, mit dem Urteil des Luxemburger Gerichts sei "Rechtssicherheit in einer für die Verbraucher und für die Eisenbahnen wichtigen Rechtsfrage geschaffen worden". Das Unternehmen werde die Entscheidung unverzüglich in die Tat umsetzen, sagt eine Sprecherin in Berlin. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht das Urteil kritisch, es habe sämtlichen Überlegungen, wo höhere Gewalt anfängt oder aufhört, die Grundlage entzogen. "Für den Fahrgast zählt die Verspätung, nicht der Versuch des Beförderers, sich eventuell von seiner gesetzlichen Entschädigungspflicht zu befreien", sagt Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff.

Der Sprecher der Geschäftsführung der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) Arnulf Schuchmann sieht in dem Urteil "keine gravierenden Auswirkungen" für die Privatbahn. Hier sei eher der Fernverkehr betroffen. Selbst die 385 Kilometer lange RE 2-Strecke Cottbus - Wismar werde von der Odeg im Stundentakt bedient. Gravierende Verspätungen von einer oder zwei Stunden seien da kaum möglich. Sollte es dazu kommen, erklärt Schuchmann, werde die Odeg "wie bisher kulant sein".