ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:46 Uhr

Versorgungsstärkungsgesetz oder Wie bekommt man Ärzte aufs Land?

Da geht‘s hoffentlich bald schneller zum Spezialisten.
Da geht‘s hoffentlich bald schneller zum Spezialisten. FOTO: dpa
Berlin. Es gibt so viele Ärzte in Deutschland wie noch nie. Doch sie sind ungleich verteilt: Zu viele Ärzte in der Stadt, zu wenige auf dem Land. Die Koalition will das ändern. dpa/roe

Ärzte, zumal Fachärzte, lassen sich gerne in der Stadt nieder. Das jedenfalls bestätigen regelmäßige Studien. Das hat aber inzwischen zu einem Ungleichgewicht bei der medizinischen Versorgung zulasten der ländlichen Bevölkerung geführt.

An diesem Ungleichgewicht hat sich auch nichts geändert, als vor einigen Jahren eine neue Bedarfsplanung eingeführt wurde, wonach die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen die Verteilung der Arztpraxen festlegen sollen. Die Planung weicht weiterhin erheblich vom Bedarf ab. Die Gesundheitspolitiker der Koalitionsfraktionen wollen nun die Niederlassungsbezirke per Versorgungsstärkungsgesetz kleiner und damit überschaubarer fassen, um den Ärztebedarf genauer erfassen zu können. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach brachte Bezirke von 100 000 bis 300 000 Einwohnern ins Gespräch. Bisher gibt es nämlich durchaus Bezirke, die als überversorgt gelten, aber unterversorgte Teilgebiete haben.

Doch mit einer besseren Bedarfsplanung ist es noch nicht getan. Wie bekommt man vor allem jüngere Ärzte dazu, sich auf dem unterversorgten Land niederzulassen? Zunächst gibt es finanzielle Anreize. Nach dem Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wird es den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ermöglicht, über Strukturfonds überall in Deutschland Praxis-Neueröffnungen oder besonders gefragte Leistungen zu bezuschussen.

Was möglicherweise auch ein nicht zu unterschätzender Anreiz für junge Ärzte sein könnte, aufs Land zu gehen, ist die Möglichkeit, nach fünf Jahren auf dem Land eine freiwerdende Praxis in einem grundsätzlich überversorgten Gebiet kaufen zu können. Die Politik hofft auf den Klebeeffekt, dass der junge Arzt sich also dort einlebt und bleibt. Um nun die Arztsitze in überversorgten Gebieten, zumeist Ballungszentren, etwas auszudünnen, besteht die Möglichkeit, freiwerdende Praxen durch die KVen aufzukaufen.

Mehr Erfolg versprechen sich die Fachleute trotz Widerstand der Ärzte von den Terminservicestellen, die die KVen einrichten sollen. Sie sollen, wenn nötig, Versicherten mit einer Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Sollte das nicht möglich sein, kann der Patient ein Krankenhaus aufsuchen. Entsprechend gehen die Mittel aus dem Honorartopf der niedergelassenen Ärzte an die Kliniken. Das darf als Druckmittel verstanden werden.