Ihnen sei ein anderes Thema wichtiger, betonen Prager Medien - nämlich, welcher Bewerber die härtere Position gegenüber den Sudetendeutschen vertritt. "Wenn dies das Versöhnungserbe von Vaclav Havel ist, dann Gute Nacht, Tschechien", kommentierte ein deutscher Diplomat.
Havel, der am 3. Februar nach 13 Jahren aus dem Amt geschieden war, hatte bereits 1990 eine Entschuldigung an die Sudetendeutschen ausgesprochen. Dies stieß auf den Widerspruch vieler Tschechen, die die kollektive Vertreibung von fast drei Millionen Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg noch heute als "gerechte Strafe" ansehen.
Der gestern von der sozial-liberalen Koalition als gemeinsamer Kandidat nominierte Jan Sokol kann jedoch auf diesem Gebiet durchaus als geeigneter Nachfolger Havels bezeichnet werden. Der 66-Jährige nennt die Vertreibung eine "Schande". Er war 1995 Mitunterzeichner einer Versöhnungserklärung, die Tschechen und Sudetendeutsche zur Zusammenarbeit aufrief. "Jetzt wird das acht Jahre alte Papier dem Philosophieprofessor von selbst ernannten Patrioten vorwurfsvoll unter die Nase gehalten", kommentierten Prager Zeitungen.
Bei der knappen Parlamentsmehrheit der Regierung können schon einige Stimmen weniger für Sokol das Aus bedeuten. Möglich, dass sein Gegenkandidat Vaclav Klaus (ODS) davon profitiert. Der Konservative vertritt gegenüber den Sudetendeutschen eine weitaus härtere Haltung. "Definitiv war die Aussöhnungserklärung von 1997 das letzte Dokument dieser Art, das ich unterschreibe", hatte der frühere Ministerpräsident klargestellt.