fehlt seit 1973 jede Spur. Sie wollte zur Arbeit nach Wildau (Dahme-Spreewald) fahren, wo sie aber nie ankam. Das Landeskriminalamt (LKA) in Eberswalde hat die Akten bis heute nicht geschlossen, weil es ein Verbrechen für möglich hält. Vera T. ist von den aktuell rund 220 Vermissten aus Brandenburg - unter ihnen fünf Kinder - am längsten verschollen. "Zwei der Kinder sind von einem Elternteil an einen unbekannten Ort mitgenommen worden, wir gehen davon aus, dass es ihnen gut geht", erläutert Holger Nigrin von der Vermisstenstelle des LKA. Im vergangenen Jahr gab es landesweit fast 3600 Vermisstenfälle.

"Die Mehrheit sind jugendliche Dauerausreißer", erläutert Nigrin. "Oft stammen sie aus Problemfamilien oder leben in Heimen." Sie laufen weg, weil sie Angst vor Strafen haben oder vor Familienstreitigkeiten flüchten. Viele treibt auch schlicht die Abenteuerlust. "95 Prozent dieser Ausreißer kommen binnen kürzester Zeit wieder", sagt Nigrin.

Häufig werden aber auch demenzkranke Senioren und andere hilflose Personen, die sich bei Spaziergängen verirrt haben, als vermisst gemeldet. "Da suchen wir oft sofort mit Hubschraubern, denn bei kälteren Temperaturen kann so ein Ausflug schnell tödlich enden."

Geht eine Vermisstenanzeige ein, werde diese sofort in die bundesweite Fahndung gegeben, erläutert Nigrin. Die Polizei vor Ort überprüft zuerst das persönliche Umfeld. Ist der letzte Aufenthaltsort bekannt, wird dort die Suche eingeleitet. "Zumeist können wir die orientierungslosen Personen oder die Jugendlichen, wenn sie bis dahin nicht schon von alleine wieder aufgetaucht sind, bald unversehrt wieder abgeben." Lediglich in 30 bis 40 Fällen pro Jahr sind laut LKA Großeinsätze etwa mit Hunden oder Hubschraubern nötig.

Das Polizeipräsidium Potsdam berichtete im Juni von einer solchen spektakulären Vermisstensuche, nachdem auf einem Kyritzer See ein herrenloses Ruderboot entdeckt worden war. "Es kamen ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera und die Polizeitaucher zum Einsatz", sagt Sprecher Rudi Sonntag. Erst einige Tage später dann die Gewissheit: Der 47-Jährige, der mit dem Boot hinaus gerudert war, konnte nur noch tot geborgen werden. Auch andere Vermisstenfälle endeten tragisch: So wurden im Sommer 2006 die Leichen einer Mutter und ihres Babys aus Frankfurt (Oder) entdeckt. Beide waren fast zehn Jahre lang verschollen. Der Ex-Freund wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Länger als ein Jahr vermisst sind aktuell etwa 125 Brandenburger, darunter 30 Kinder oder Jugendliche. Dazu zählt auch die kleine Julia, von der seit dem Jahr 2000 jede Spur fehlt. Die Leiche ihrer Mutter war damals in einem Bunker bei Brandenburg/Havel entdeckt worden. Drei Täter erhielten hohe Haftstrafen.