Das Klagelied der Denkmalpfleger ist alt. Vor dem "geradezu vernichtenden Einfluss" der "modernen Landwirtschaft" für die "altehrwürdigen Reste einer urgeschichtlichen Vergangenheit" warnte ein besorgter Experte schon 1897. Pflüge griffen immer tiefer in den Boden und zerwühlten dort Reste uralter Dörfer. Versunkene Slawenburgen wurden breitgefahren, noch ehe irgendwer von ihnen wusste. Urnengefäße und mittelalterliche Notgroschen kamen unter die Räder.

Scherben auf dem Acker

Die Scherben konnte Archäologe Michael Strobel noch vor Jahrzehnten auf dem Acker aufsammeln. Jetzt wird es immer weniger. Dabei liegt das allermeiste an Überresten noch unter der Erde, vermuten Strobel und seine Kollegen vom Landesamt für Archäologie: "Wir gehen davon aus, dass wir gerade 25 Prozent der ursprünglichen Denkmale kennen."

Sehr viel ist noch zu finden in Sachsens Feldern und Fluren. Doch der Weg dorthin führt für die Experten nur über die Herzen der Landwirte. Die zu erweichen für ihre Bodenschätze, versucht derzeit eine Ausstellung im Dresdner Landtag. "Sachsens Geschichte unterm Acker", so der Titel, will innovative Wege zeigen zum Schutz des archäologischen Reichtums auf intensiv genutzten Ackerflächen. Die Ausstellung soll das Bewusstsein wecken für die Gefahren wie Bodenerosion und Bodendruck, die den Denkmalen zu schaffen machen.

Bekannt sind bis heute rund 13 000 Bodendenkmale in ganz Sachsen. Die ältesten sind 300 000 Jahre alt, aber spärlich. Frühgeschichtliche Sachsen hinterließen ihre Bandkeramik und Kugelamphoren in den fruchtbaren Ebenen. Mittelalterliches dagegen findet sich überall. "Die Krux ist, finden wir etwas, müssen wir davon ausgehen, dass das, was im Boden steckt, schon zerstört ist", meint Landesarchäologe Strobel. Wie beim berühmten Hacksilberpfund von Cortnitz (Kreis Bautzen). Metallsondengänger fanden 2005 ein paar Münzen auf einem stillgelegten Acker. Die über 1500 Einzelteile mussten die Fachleute dann auf 1000 Quadratmetern Fläche zusammensuchen. Der Topf oder Beutel, in dem der Schatz vergraben war, war wohl unter den Pflug geraten.

Gana droht der Untergang

Das könnte bald auch der Slawenburg Gana passieren. Jedenfalls dem, was einige Enthusiasten dafür halten. Seit 100 Jahren streiten Historiker und Archäologen darüber, ob die Anlage bei Stauchitz (Kreis Meißen) das Gana ist, das Sachsenkönig Heinrich I. im Winter 928 plattgemacht haben soll. Den Rest erledigen schwere Mähdrescher. Der Hügel, unter dem die verkohlten Reste der Burg liegen, wird seit Jahren flacher. Gana drohte, ein zweites Mal zu versinken.

Mentalitätswandel im Gange

Doch der Grundstücksbesitzer ließ sich überzeugen. Bodenbearbeitung ohne Pflug oder gleich Stilllegung des Ackers ist in solchen Fällen das, worauf sich Bauern und Denkmalschützer einigen können. Eine innovative Lösung ist das Precision Farming, wodurch der Pflug durch Satelliten-Steuerung ausweicht.

Michael Strobel stellt durchaus einen Mentalitätswandel auf der anderen Seite fest: "Wir müssen über jedes Denkmal individuell reden", sagt er. Und oft klappe das auch, die meisten Eigentümer seien kooperativ, wenn es um Grabungen auf ihrem Land geht. Selbst dann, wenn das Land der Braunkohle gehört. Im Tagebau Vereinigte Schleenhain (Kreis Leipzig) buddelten die Archäologen eine komplette bandkeramische Siedlung aus. Reste von an die 40 Häusern fanden sich dort, die ältesten 7000 Jahre alt. In einigen Brunnen, die zur Siedlung gehören, fanden die Archäologen Holzreste - eine Sensation. Die vorgeschichtliche Metropole ist inzwischen abgebaggert.

Zum Thema:
Die Ausstellung "Sachsens Geschichte unterm Acker - Landwirte schützen Denkmale" ist noch bis zum 18. Dezember im Foyer des Landtags zu sehen. Geöffnet ist von Montag bis Freitag zwischen zehn und 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.