Wie jetzt bekannt wurde, hat sich eine Schlüsselfigur, derlangjährige LEG-Geschäftsführer Germanus Pause, nach Australienabgesetzt. Eigentlich soll er am 18. März vor dem Ausschussaussagen - doch die Post an seine bisher bekannten Adressen inDeutschland kamen als unzustellbar zurück. Pauses Aufenthaltsortauf dem fünften Kontinent ist derzeit nicht bekannt.
Der gebürtige Deutsche war in Brandenburg eine ebenso schillerndewie umstrittene Figur. Im Oktober 1991 holte ihn der damaligeVerkehrsstaatssekretär im SPD-geführten Ministerium, Horst Gräf,höchstpersönlich für die frisch gegründete LEG aus Australien insMärkische. Bis dahin hatte Pause "Down under" 23 Jahre lang alsBeamter gedient.
"Durch einen Zufall kam ich nach Brandenburg", schilderte Pauseeinst seine "Anwerbung". Er sei gerade in Europa gewesen, da habesich der australische Botschafter an ihn gewandt, denn auch derferne Kontinent sollte Aufbauhilfe für Ostdeutschland leisten."Ich war der einzige, der fließend deutsch sprach", erinnertesich Pause.
Schon zu seinen Zeiten als Geschäftsführer beschäftigte die LEGdrei Untersuchungsausschüsse, davon je einen in Berlin undPotsdam zu den umstrittenen Grundstückskäufen rund um denFlughafen Schönefeld im Umfang von 250 Millionen Euro. NachPauses Weggang im Juni 2000 kam ein weiterer hinzu.
Der von Pause erwartete Umbruch seines "Ziehkindes" LEG trat auchmit seinem Nachfolger Rainer Geisler nicht ein. Im Gegenteil:Kaum hatte der Ex-Geschäftsführer die Tür hinter sich zugezogen,jagte eine Horrormeldung die andere aus der hundertprozentigenLandestochter. Im November 2001 schließlich beschloss dieLandesregierung ihre Liquidation.
Etwa 250 Millionen Euro hätte die Weiterführung der Gesellschaftgekostet. Das Eigenkapital in Höhe von rund 60 Millionen Euro waraufgezehrt, die Bankenverbindlichkeiten betrugen damals 150Millionen Euro. Etwa zeitgleich setzte der Landtag auf Antrag derPDS einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung derMillionenpleite ein.
Nun stehen die Mitglieder des Untersuchungsausschusses vor einemProblem: Selbst wenn sie den Wohnort von Ex-Geschäftsführer Pauseim fernen Australien ausmachen, ist immer noch nicht sicher, ober dann in Potsdam aussagt. Denn bevor er sich wieder auf derSüdhalbkugel niederließ, machte er noch klar, dass seineReisekosten künftig der Landtag zu zahlen hätte. Die dafürnotwendige Summen von einigen tausend Euro stehen dem Ausschussjedoch nicht zur Verfügung.

Hintergrund Gräf: LEG-Pleite zeichnete sich bereits 1995 ab
  Der Niedergang der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zeichnete sich bereits im Jahr 1995 ab. Schon damals habe sich die Finanzsituation der Landestochter zunehmend verschlechtert, sagte der Ex-Baustaatssekretär und frühere LEG-Aufsichtsratsvorsitzende, Horst Gräf, in Potsdam vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Landtag. Gräf erklärte, er habe die Entwicklung damals mit großer Sorge betrachtet.
Der frühere SPD-Politiker war bis Anfang des Jahres 2000 Vorsitzender des LEG-Aufsichtsrats. Nachdem die Gesellschaft Verluste von etwa 150 Millionen Euro angehäuft hatte, beschloss die Landesregierung im November 2001 ihre Liquidation. Alle von der LEG angepackten Großprojekte, so Gräf, habe das Kabinett beschlossen.