S eit 15 Jahren gibt es eine Pause beim globalen Temperaturanstieg, die Luft erwärmt sich nicht mehr so rasch wie in den 1990er Jahren. Eine Entwarnung ist am kommenden Freitag aber nicht zu erwarten, wenn der Weltklimarat IPCC in Stockholm den ersten von drei Teilen seines neuen Berichts präsentiert. Im Gegenteil: Seit dem vergangenen Report von 2007 gibt es nach Auskunft von Klimaforschern eine Fülle von Daten, die dessen Grundaussagen zur Erderwärmung untermauern.

Für den Gesamtreport haben 830 Autoren tausende Studien geprüft, Entwürfe geschrieben, korrekturgelesen und mehrere Zehntausend Kommentare dazu berücksichtigt. "Der Klimawandel macht keineswegs eine Pause", betont Prof. Guy Brasseur, einer der Hauptautoren des vergangenen Reports. Die Erde nehme durch die Treibhausgase weiterhin viel Energie von der Sonne auf. "Nur erwärmt sie derzeit eben nicht so sehr die Luftschichten über dem Erdboden, sondern die Ozeane", erläutert der Leiter des Climate Service Center in Hamburg. Die Zunahme der Lufttemperatur verlaufe nicht geradlinig, sondern sei Schwankungen unterworfen, wie viele andere natürliche Phänomene auch. Bei Klimaberechnungen betrachte man daher Änderungen innerhalb von 30 Jahren und nicht kurzfristige Schwankungen. "Ich glaube, im letzten Report haben wir solche Phänomene nicht klar gemacht. Das war ein Fehler von der Wissenschaft", räumt Brasseur ein. Auch das schmelzende Eis von Gletschern und Polen nehme Wärme auf, und die Sonne strahle in einem eigenen Zyklus. Beides könne aber die derzeitige Abflachung im Temperaturanstieg der Luft nicht erklären, sagt Brasseur.

Nach neusten Analysen spielt der Atlantik allerdings entgegen dieser Studie vermutlich keine größere Rolle, wohl aber der Pazifik. "Es ging uns jedoch vor allem darum, zu betonen, dass es nicht immer gleichmäßig nach oben gehen kann, dass es auch mal zehn, möglicherweise auch 20 Jahre nicht weitergeht mit der Erwärmung", erläutert der Professor vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

In den rasch wärmer werdenden 1980er und 1990er-Jahren hätten die Ozeane mehr Wärme abgegeben und damit den Temperaturanstieg der Luft noch beschleunigt, im Moment sei es umgekehrt, sagt Latif. "Wann genau die Ozeane wieder vermehrt Wärme abgeben werden, weiß ich nicht, aber das kommt sicher." Und dann werde sich die Erwärmung der Luft wieder verstärken.

Am Klimawandel generell ändere so eine Schwankung nichts. "Man muss sich doch nur die Temperaturentwicklung des 20. Jahrhunderts angucken. Das ging rauf und runter, aber wenn man den gesamten Zeitraum seit 1900 betrachtet, dann kann man die Erderwärmung einfach überhaupt nicht übersehen", sagt Latif. Derzeit sei noch einiges offen in der Klimaforschung, sagt auch Prof. Ulrich Cubasch, einer der beiden Hauptautoren für die Einleitung des neuen Klimaberichts. "Die großen Fragezeichen sind vor allem die Ozeane, aber auch die Wolken und die Staubteilchen in der Atmosphäre", erklärt der Professor von der Freien Universität Berlin .