Zwar werden zunehmend staatliche Eingriffe in die Medienfreiheit beklagt, doch sind die Freiheitsrechte hier zu Lande gesetzlich verbrieft und ihr Schutz gerichtlich abgesichert. In zahlreichen anderen Ländern der Welt dagegen ist der Kampf um die Pressefreiheit nur unter Einsatz von Leib und Leben möglich.
Am "Tag der Pressefreiheit", am 3. Mai, erinnern die Vereinten Nationen, ihre Unterorganisation Unesco sowie Verleger- und Journalistenverbände an die Verstöße gegen dieses Freiheitsrecht in aller Welt. In ihrer "Rangliste der Pressefreiheit" hat die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) Deutschland vom 11. auf den 18. Rang herabgestuft - unter anderem wegen Durchsuchungen wie bei der "Cicero"-Redaktion. Ganz unten stehen Länder wie Weißrussland, Saudi-Arabien, China, Nepal, Kuba oder Iran - Schlusslicht ist Nordkorea. Am besten steht es um die Pressefreiheit in Skandinavien, Irland, den Niederlanden und der Schweiz. Deutschland liegt gleichauf mit Belgien und Griechenland. Die USA tauchen gleich zweimal auf: das Land selbst liegt auf Platz 44 von 167, sein Vorgehen im Irak wurde auf Platz 137 eingestuft.
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sieht in der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs eine Gefahr für die freie Sportberichterstattung. „Es ist doch absurd, wenn ein Sport, der vom Interesse der breiten Bevölkerung lebt und gerade durch die Graswurzelarbeit der lokalen Redaktionen vor Ort geprägt wird, zunehmend noch aus dem letzten Kick Profit zu ziehen versucht“ , sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen. Die Zeitungsverleger hatten sich nach langem Streit mit dem Weltfußballverband Fifa über eine Lockerung der Richtlinien für die Online-Berichterstattung zur WM geeinigt. Strittig ist noch, welche Publikationen in der Bannmeile um die Stadien verkauft werden dürfen.
Auch von Seiten des Staates werde die Pressefreiheit zunehmend eingeengt, sagte Heinen. Nach einer Untersuchung des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) sind von 1987 bis 2001 allein 164 Fälle von Durchsuchungen und Beschlagnahmen öffentlich geworden.
Als Beispiele nannte Heinen die Durchsuchung der Redaktion des Politikmagazins "Cicero" sowie die Bespitzelung von Redakteuren in Sachsen und bei der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung". "Der Verdacht liegt nahe, dass abgehört, durchsucht oder beschlagnahmt wurde, weil die Behörden undichte Stellen in den eigenen Reihen aufdecken wollten", sagte der Verlegerpräsident.
Heinen begrüßte die Initiative der Grünen für ein Gesetz zur Stärkung der Pressefreiheit. "Die Verschärfung des Zeugnisverweigerungsrechts und des Beschlagnahmeverbots waren Schritte auf dem richtigen Weg, reichen aber nicht aus", sagte Heinen.