Geplant ist eine Straße, die von Zittau über polnischen Boden nach Tschechien führt und den Schwerverkehr zwischen den drei Ländern erleichtern soll. Rund ein Jahrzehnt zogen sich die Verhandlungen und Planungen für die Strecke hin und auch der Spatenstich-Termin wackelt auf Grund von Verzögerungen bereits wieder.

Schlüssel des Erfolgs
Die mühsame Umsetzung ist kein Einzelfall. Dabei sind sich die Experten einig, dass funktionierende Verkehrsverbindungen einer der Schlüssel zu einer erfolgreichen EU-Erweiterung sind. Die sächsische Landesregierung rechnet damit, dass sich der Güterverkehr mit dem Nachbarland Polen auf der Straße und der Schiene bis zum Jahr 2015 etwa verdoppeln wird. Auch der Personenverkehr könnte sich der Prognose zufolge um 90 Prozent erhöhen. Die Verkehrsinfrastruktur müsse deshalb ausgebaut werden, fordert die Staatsregierung in Dresden.
Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sieht beim Güterverkehr bis 2015 einen Anstieg um zwei Drittel auf Deutschland zukommen. Er rechnet aber nicht mit einem schlagartigen Anstieg des Verkehrs nach dem 1. Mai: Der werde erst in einigen Jahren kommen, so Stolpe kürzlich bei einem Verkehrsforum. Und außerdem: "Vieles rollt schon."
Der ADAC sieht für Sachsen die Fertigstellung der Autobahn Dresden - Prag als wichtiges Verkehrsprojekt, hält aber genauso mittelgroße und kleinere funktionierende Verkehrsverbindungen im Grenzgebiet für unverzichtbar. "Gerade die Unternehmen sind darauf angewiesen", sagt ADAC-Verkehrsingenieur Markus Löffler. Hier gebe es noch Nachholbedarf - auf allen Seiten der Grenzen.

Polen investiert 1,4 Milliarden
Polen will in diesem Jahr 1,4 Milliarden Euro in den Straßenbau investieren. Bis 2005 sollen 550 Kilometer Autobahn neu gebaut oder generalüberholt werden - auch um den erwarteten Verkehrsanstieg durch den EU-Beitritt zu bewältigen. Verkehrsminister Marek Pol musste allerdings kürzlich einräumen, dass bisher erst 140 Kilometer geschafft sind.
Auch bei den polnischen Fernstraßen gibt es Handlungsbedarf, sollen sie EU-Standards genügen. Bisher mussten viele von ihnen an heißen Sommertagen für Lastwagen gesperrt werden, weil der Asphalt weich wurde. Im Südwesten Polens ist das Autobahnnetz zwar vergleichsweise dicht, aber in keinem allzu guten Zustand mehr - es handelt sich meist noch um die ehemaligen Reichsautobahnen.
Auch im Bereich der Schifffahrt sind noch Fragen offen. In Tschechien wird noch immer der Ausbau der Elbe diskutiert, der den Fluss auch bei Niedrigwasser befahrbar machen soll. Ob es dazu kommt, ist derzeit völlig offen.

Probleme im Schienenverkehr
Probleme gibt es auch noch im grenzüberschreitenden Schienenverkehr. Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für Sachsen, Hans-Jürgen Lücking, sieht noch "viele Hemmnisse", die es zu überwinden gilt, zum Beispiel unterschiedliche Strom- oder Leitsysteme. Wichtigste Verbindung Sachsens nach Tschechien ist die Strecke Dresden -Prag, die durch das Elbtal führt. 100 Güterzüge sind hier jeden Tag unterwegs. Aber auch für den Personenverkehr ist die Verbindung von zentraler Bedeutung. Sie ist allerdings eine Baustelle: Die Strecke muss in den nächsten Jahren saniert werden. Das verheerende Elbe-Hochwasser 2002 hat deutliche Spuren hinterlassen: Für einige Monate droht sogar eine Vollsperrung. In Brandenburg läuft der Ausbau der Schienenverbindung Berlin - Frankfurt (Oder) mit einem Investitionsvolumen von 224 Millionen Euro planmäßig.
Die Bundesregierung teilte indes mit, dass an der deutschen Ostgrenze keine weiteren Grenzübergänge für den Lkw-Verkehr eröffnet werden. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium, Iris Gleicke (SPD), sagte im Bundestag, die für den Lastverkehr gesperrten Übergänge nach Polen und Tschechien seien derzeit nicht geeignet, neben Fußgängern und Pkw zusätzlichen Lkw-Verkehr aufzunehmen. Angesichts des Wegfalls der Warenkontrolle durch die bevorstehende EU-Erweiterung scheine ein kurzfristiger Ausbau auch nicht sinnvoll. Den Angaben zufolge sind von den 55 Grenzübergängen nach Polen und Tschechien 27 für den grenzüberschreitenden Warenverkehr geöffnet.