Von Benjamin Lassiwe

In Brandenburg gibt es alle sechs Minuten einen Verkehrsunfall. Alle 45 Minuten wird ein Mensch verletzt und alle drei Tage ist ein Unfalltoter zu verzeichnen. So fasste Innenstaatssekretärin Kathrin Lange (SPD) am Donnerstag die Verkehrsunfallbilanz 2018 bei deren Vorstellung in Potsdam zusammen.

Demnach sank die Zahl der Unfälle von 85 451 im Jahr 2017 auf 82 281 im Jahr 2018, und die Zahl der Verkehrstoten ging von 148 im Jahr 2017 auf 143 im vergangenen Jahr zurück. „Wir sehen eine leichte Entspannung des Unfallgeschehens“, sagte Lange. „Das ist aber noch kein Grund zum Jubeln.“ Die Hauptursachen für schwere Verkehrsunfälle bleiben weiter wilde Raserei, missachtete Vorfahrtsregelungen und zu geringer Abstand. Um rund sieben Prozent zugenommen hat die Zahl der Unfälle aufgrund von Alkohol am Steuer. Doch allein 53 der 143 Verkehrstoten des vergangenen Jahres starben durch überhöhte Geschwindigkeit.

Um den Abstand zweier Autos auf den Autobahnen auszumessen, kommen in Brandenburg deswegen nun auch Drohnen zum Einsatz. „Die Videoaufnahmen der Drohnen taugen wunderbar als Sachbeweis“, sagte der stellvertretende Polizeipräsident Roger Höppner. „Und wer den Mindestabstand auf der Autobahn um 50 Meter unterschreitet, muss in der Regel 80 Euro Strafe zahlen und kassiert einen Punkt in Flensburg.“ Einziges Problem bei der neuen Kontrollmethode: Durch die zahlreichen Autobahnbaustellen fehlt es im Moment an markierten Messtrecken auf der Autobahn und Parkplätzen, auf die ertappte Täter herausgewinkt werden können.

Weiter kritisch ist das Unfallgeschehen auch im Baustellenbereich: 2537 Verkehrsunfälle ereigneten sich allein auf den Autobahnbaustellen des Landes. Ihre Zahl stieg damit im Vergleich zu 2017 noch einmal um 12,5 Prozent. Unfallschwerpunkt bleibt dabei weiterhin die Bundesautobahn A10, der südliche Berliner Ring, in der Gegend von Michendorf: Mit 1210 Unfällen fand hier fast die Hälfte aller Baustellenunfälle statt.

Doch auch die Baustelle der Havellandautobahn, also der Ausbau der A10 und der A24 zwischen Neuruppin und dem Dreieck Pankow, hat sich zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt: Während es dort 2017 gerade einmal 28 Unfälle gab, krachte es 2018 ganze 403 Mal.

Die Verkehrspolitiker von Linken und Grünen, Anita Tack und Michael Jungclaus, forderten am Donnerstag die Einführung einer Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr. „Wenn Fahren unter Alkohol immer noch zunimmt, bleibt die Forderung nach gesetzlicher Null-Promille Regelung aktuell und muss endlich durchgesetzt werden“, so die ehemalige Gesundheitsministerin.

Dagegen warf der CDU-Abgeordnete Rainer Genilke Rot-Rot vor, noch nicht auf dem Weg zu einer Senkung der Unfallzahlen zu sein. „Jeder Unfalltote ist einer zu viel“, sagte Genilke. „Deshalb ist es notwendig, mehr in die Verkehrssicherheitsarbeit zu investieren.“ Es müssten mehr Kontrollen durchgeführt werden.

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