Ein weißes Fahrrad lehnt an einem Laternenpfahl in der Kraftwerkstraße in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz). Es ist ein Ghost Bike, ein Geisterfahrrad. Wo sie stehen, ist ein Radfahrer im Verkehr ums Leben gekommen.

Laut Statistischem Bundesamt starb 2018 im Schnitt jeden Tag mindestens ein Radfahrer, insgesamt kamen bundesweit 445 Menschen bei Unfällen mit dem Fahrrad ums Leben. Seit Jahren werden immer weniger Menschen im Straßenverkehr getötet. Einzig die Zahl der verunglückten Radfahrer nimmt wieder zu. Woran liegt das?

Radfahrer wird immer attraktiver

Der deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat die Zahlen ausgewertet. Im DVR sind die Verkehrsministerien der Länder und des Bundes, gesetzliche Unfallversicherungen, Verkehrslobbyverbände, Kirchen und Gewerkschaften vertreten. Julia Fohmann vom DVR sieht einen Grund für die Zunahme vor allem in der gestiegenen Attraktivität des Radfahrens: „Immer mehr Menschen steigen aufs Rad, deshalb gibt es auch mehr Unfälle mit Radfahrern.“ Die Infrastruktur sei für die große Zahl an Radfahrern, die vor allem in Städten unterwegs sind, nicht ausgelegt.

In der Stadt kommen zwar die meisten Radfahrer zu Schaden, doch außerhalb von Ortschaften sind die Folgen oft gravierender: Zwar ereignen sich nur etwa zehn Prozent der Unfälle mit Rad­fahrerbeteiligung außerorts, doch fast 43 Prozent aller Todesfälle. Das liege, erläutert Julia Fohmann, vor allem an der hohen Geschwindigkeit, mit der Autos auf Land- und Bundesstraßen unterwegs sind. Bei etwa drei Vierteln aller Rad­unfälle sind Autofahrer beteiligt.

E-Bikes sind kein Sicherheitsgarant

Auch vom Fahrrad selbst geht eine Gefahr aus. In den letzten Jahren sind vor allem bei älteren Menschen elektrische Fahrräder immer beliebter geworden. „Bei älteren Menschen ist das Reaktionsvermögen verlangsamt, außerdem unterschätzen sie oft die Geschwindigkeit und die Bremswirkung der Pedelecs“, sagt Julia Fohmann.

Das spiegelt sich in den Zahlen des Statistischen Bundesamtes wider: Mehr als die Hälfte der verstorbenen Radfahrer ist über 65 Jahre alt. Der DVR fordert deshalb mehr Prävention, eine Verringerung der Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen und in Ortschaften sowie mehr Radwege.