Dem Vernehmen nach soll Sachsen für Straßenprojekte nur noch rund 230 Millionen statt bisher fast 400 Millionen Euro erhalten. "Damit können wir die Fertigstellung der A 72 und Ortsumgehungen wie in Pirna als Zubringer zur A 17 vergessen”, so Bolick.
Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) bestätigte die Angaben. "Es ist in der Tat so, dass in diesem Jahr wesentlich weniger Mittel bereit stehen. Beispielsweise können keine Straßenbaumaßnahmen neu begonnen werden, da die bereit gestellten Mittel für den Abschluss begonnener Projekte benötigt werden.” Allerdings verhandele der Freistaat intensiv mit dem Bund über mehr Geld für Schienen und Straßen. Er habe Bundesminister Wolfgang Tiefensee (SPD) um Unterstützung gebeten, so Jurk. "Es stehen einfach zu wenig Bundesmittel für Infrastruktur bereit, die Decke ist zu kurz und viele ziehen daran." Betroffen seien etwa die B 96 Westtangente Bautzen und die B 98 bei Bischofswerda.
Sachsens CDU warf Tiefensee vor, er lasse "Sachsen im Regen stehen" und koppele "den Osten von der Entwicklung einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur ab". Gefährdet seien so auch die B 169 nach Riesa, die B 178 Weißenberg - Löbau - Zittau und die Ortsumgehung Kesselsdorf B 173. Auch beim Ausbau eines leistungsfähigen Schienennetzes für Sachsen sehe die Lage nicht anders aus. "Die fehlende Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale führt dazu, dass der City-Tunnel in Leipzig nicht durch den Fernverkehr genutzt werden kann”, so Bohlik. "Mit seinem Wechsel nach Berlin hat Tiefensee offensichtlich seine Sympathie für Sachsen verloren."
Das Bundesverkehrsministerium wies die Kritik zurück. "In den vergangenen Jahren hat Sachsen für Verkehrsprojekte vom Bund erheblich mehr Finanzmittel bekommen, als dem Land zustanden und als andere Bundesländer bekommen haben. Allein 2006 waren es 100 Millionen Euro mehr." Statt sich zu beklagen, sollten die CDU-Landtagsabgeordneten die besonderen Anstrengungen des Bundes würdigen.