Ein Unfall wie viele andere, bei denen unerfahrene Autofahrer am Steuer sitzen. Fahranfänger sind trotz des Erfolgsmodells "Begleitetes Fahren ab 17" weiterhin die am stärksten unfallgefährdete Gruppe von Verkehrsteilnehmern, stellt die Deutsche Akademie für Verkehrswissenschaft fest. Sie hat als Ausrichter des Deutschen Verkehrsgerichtstages, der am Mittwoch in Goslar beginnt, das Thema "Fahrausbildung" auf die Tagesordnung gesetzt.

Für Ulrich Chiellino ist klar, was passieren muss: "Viele Fahranfänger überschätzen ihr Können", sagt der Verkehrspsychologe vom ADAC. Dieses "trügerische Sicherheitsgefühl" sei die Ursache dafür, dass sie in den ersten Monaten nach der bestandenen Fahrprüfung überdurchschnittlich viele schwere Unfälle bauen. "Wir brauchen deshalb eine gesetzlich vorgeschriebene Ausweitung der Lernphase", sagt Chiellino.

Auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) setzt sich für eine zweiphasige Ausbildung der Fahranfänger ein. Zur zweiten Phase sollten neben dem verbindlichen Fahrsicherheitstraining Feedback-Fahrten gehören. Dabei sollen junge Fahrer von erfahrenen Coaches Rückmeldungen über das erhalten, was sie können, und vor allem über das, was sie nicht beherrschen.

Als Vorbild könne Österreich dienen, sagt Verkehrspsychologe Chiellino. "Dort werden junge Fahrer auch nach Erhalt der Fahrerlaubnis weiter gezielt unterstützt." Sie müssen unter Aufsicht ihr fahrerisches Können vorführen und an Fahrsicherheitstrainings teilnehmen. "Die Anfänger sollen dabei lernen, ihr Können richtig einzuschätzen und erkennen, wo Grenzen liegen."

Der deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) plädiert ebenfalls für eine "obligatorische Lernzeitverlängerung mit protektiven Maßnahmen". Es müsse ein umfassendes Konzept zur Ausbildung und Betreuung von Fahranfängern erarbeitet werden. "Wir benötigen verlängerte Lernzeiträume", fordert DVR-Präsident Walter Eichendorf. Vor allem müsse "die Fähigkeit der Anfänger zur Selbstreflexion ausgebaut werden". "Junge Fahrer müssen lernen, zu erkennen, dass man in manchen Situationen nicht mehr Pilot im Fahrzeug ist, sondern Passagier", sagt ADAC-Experte Chiellino. "Dieses Gefühl sollten sie aus einer zweiten Ausbildungsphase mitnehmen, um zurückhaltender zu fahren."

Der ACE Auto Club Europa steht Mehrphasenmodellen eher skeptisch gegenüber. Schon jetzt seien für theoretische und praktische Pkw-Prüfung zusammen oftmals bis zu 1800 Euro fällig, gibt Sprecher Rainer Hillgärtner zu bedenken. Da rund jeder dritte Führerschein-Aspirant hierzulande jedoch beim ersten Mal durch die Prüfung rassele, werde es vielfach deutlich teurer.

ADAC-Experte Chiellino verweist dagegen auf das österreichische Vorbild. Dort verteuere sich die Fahrausbildung durch die verbindliche zweite Stufe insgesamt nur um etwa 150 bis 200 Euro. Dafür seien die Unfallzahlen bei Fahranfängern deutlich rückläufig .