Offiziell wird über die Besetzung der künftigen Landesregierung wohl erst nach den Mitgliederbefragungen bei CDU und Grünen gesprochen. Doch in Potsdam wird schon kräftig spekuliert, wer die vermutlich fünf Ressorts der SPD, die drei der CDU und die zwei der Grünen erhalten könnte. Eine Übersicht.

Nonnemacher Kandidatin für Gesundheit und Pflege

Bei den Grünen ist es relativ klar, dass die beiden Fraktionsvorsitzenden Axel Vogel und Ursula Nonnemacher ins Kabinett wechseln werden. Als frühere Direktor der Landesanstalt für Großschutzgebiete wird Vogel dabei wohl das Ressort für Landwirtschaft und Umwelt von Jörg Vogelsänger übernehmen. Zwar wird immer wieder auch über eine Aufteilung des Ministeriums spekuliert. Das aber würde wohl nur dazu führen, dass sich beide Häuser ständig gegenseitig blockieren würden.

Ursula Nonnemacher wiederum ist als Medizinerin heiße Kandidatin für ein Ressort Gesundheit und Pflege, wie es etwa im Abschlussbericht zum Lunapharm-Skandal vorgeschlagen wurde.

Arbeit, Frauen, Familie und Soziales an SPD

Die SPD würde dagegen den Rest des Ressorts, also Arbeit, Frauen, Familie und Soziales erhalten. Ein klassisches Regine-Hildebrandt-Haus. Hier wäre es denkbar, zum Beispiel die bisherige Bildungsministerin Britta Ernst einzusetzen. Allerdings könnte sie auch in ihrem jetzigen Ressort verbleiben, denn sie hat gute Arbeit gemacht und Negativschlagzeilen vermieden. Mehr geht in diesem Haus sowieso nicht zu erreichen.

Im Amt bleiben könnte auch die Ministerin für Infrastruktur und Ländliche Entwicklung, Katrin Schneider. Sie überzeugte vor allem durch Expertise und dadurch, Dinge auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Eine Kandidatin für ein SPD-Ressort ist auch die ehemalige Generalsekretärin und Bewerberin für das Amt der Parteivorsitzenden, Klara Geywitz. Allerdings ist sie nicht gesetzt: Zu oft wurde sie schon gehandelt, und hat dann doch verzichtet.

Als Fachpolitikerin wäre sie aber eine heiße Kandidatin für das Ministerium für Wissenschaft und Forschung, wenn die SPD dieses Ressort behält und Woidke angesichts der Schwäche seiner Partei in der Lausitz nicht die Chance nutzt, um mit Martina Münch eine Cottbuserin auf der politischen Bühne zu halten, gerade wenn ein Teil des Ressorts in Cottbus angesiedelt werden soll.

Für das Kulturressort stünde auch der bisherige Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt, zur Verfügung, der das Haus ja schon als Staatssekretär kennt.

Die SPD dürfte zudem das Justizressort erhalten: Mit dem früheren Verfassungsgerichtspräsidenten Jes Möller hätte man dafür einen Experten in der Partei. Alternative wäre Generalsekretär Erik Stohn, der für seine Leistungen im Wahlkampf und während der Koalitionsverhandlungen mit Recht auf ein Ministeramt hoffen darf.

Bleibt das Finanzressort: Hier ist bislang der SPD-Fraktionsvorsitzende Mike Bischoff im Gespräch gewesen. Verschiedene Äußerungen der letzten Zeit zeugten aber nicht von der für dieses wichtige Ressort nötigen Fachkompetenz, so dass diese Personalie eher wieder offen wirkt. Chefin der Staatskanzlei könnte dagegen die bisherige Innenstaatssekretärin Katrin Lange werden.

Innenministerium an Stübgen

Bei der CDU ist der Verhandlungsführer und künftige Landesvorsitzende Michael Stübgen gesetzt. Er muss als stellvertretender Ministerpräsident allerdings ein A-Ressort bekommen, Landwirtschaft kommt deswegen nicht in Frage. Im Gespräch ist das Innenministerium, denn Stübgen gehörte mehr als zehn Jahre dem Innenausschuss des Bundestags an.

Als Staatssekretär käme dann der an allen Koalitionsverhandlungen beteiligte Polizeibeamte Björn Lakenmacher in Betracht: Er könnte Stübgen gerade bei Polizeithemen den Rücken freihalten. Möglich, dass auch noch der Bereich Europa für den Fachpolitiker Stübgen interessant wäre – er war ja einst nur wegen Helmut Markov ans Justizressort gekoppelt worden.

Wenn die SPD das Finanzministerium übernimmt, bliebe bei der CDU das Wirtschaftsressort – auch hier könnte man Europa andocken. Ein Kandidat, über den zuweilen spekuliert wird, wäre der Europaabgeordnete Christian Ehler, wahrscheinlicher aber ist der bisherige CDU-Generalsekretär Steeven Bretz. Denn trotz der Wahlniederlage müsste wenigstens eine Person aus dem Kernteam von Ingo Senftleben auch Minister werden – sonst würden alle die vor den Kopf gestoßen, die in der Partei lange und intensiv für den Wahlsieg kämpften.

Bleibt als letztes Ressort entweder das Bildungs- oder das Wissenschaftsministerium. Da beide Häuser relativ ähnlich sind, macht es Sinn, sie unter SPD und CDU aufzuteilen. Da allerdings die CDU eine Frau für das Kabinett ernennen sollte, schränkt das die Auswahlmöglichkeiten ein. Saskia Ludwig beispielsweise ist als Ministerin nach ihren diversen Intrigen niemandem mehr vermittelbar.

Barbara Richstein hat als Landtagsvizepräsidentin ein anderes wichtiges Amt gefunden, und man würde das Ansehen des Landtags beschädigen, würde sie nun Ministerin. Denkbar wäre deswegen, dass für das dritte Haus der CDU jemand von außerhalb geholt wird: Schließlich sollte die Fachkompetenz der Kandidatin sowieso immer wichtiger sein als die Herkunft aus dem eigenen Landesverband.

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