Von Dietrich Schröder

Es war schon ein Mammut-Verfahren und nun wird es noch einmal in die Verlängerung gehen: Neun Mitglieder einer insgesamt 21-köpfigen polnischen Bande, die zu Beginn dieses Jahrzehnts mehr als 150 Autodiebstähle in Brandenburg verübt hatte, haben erfolgreich Berufung gegen ihre Verurteilung eingelegt.

Zur Erinnerung: Im Februar 2015 hatte am Amtsgericht von Zielona Góra ein Prozess begonnen, der auf den Erkenntnissen des ersten gemischten brandenburgisch-polnischen Ermittlerteams beruhte, das 2013 gebildet worden war. Das Landeskriminalamt Brandenburg und die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hatten auf die Bildung dieses Teams gedrängt, um zu den Strukturen einer Bande vorzudringen, die seit 2010 ihr Unwesen trieb. Seinerzeit wurde schon zu mehr als zwei Dutzend Autodiebstählen ermittelt, deren Spuren alle in die Gegend von Zielona Góra führten.

Mit Hilfe verdeckter Ermittlungen,  gemeinsamer Verhaftungen und Verhöre in Brandenburg und Polen lagen dann schließlich mehr als 5000 Seiten Ermittlungsakten zu über 150 Diebstählen vor. Der Hauptverdächtige Eugeniusz Sz. wurde im August 2014 in den Niederlanden festgenommen.

Der Gerichtsprozess zog sich jedoch wie ein Kaugummi in die Länge. Schon bei den beiden Auftaktterminen fehlten mehrere der 21 Angeklagten, so dass überhaupt erst beim dritten Mal die Anklage verlesen werden konnte. Zu den Höhepunkten zählten  zwei Termine im Jahr 2016, bei denen Brandenburger Ermittler als Zeugen aussagten.

Am 26. Januar 2018 wurden endlich die Urteile verkündet: Eugeniusz Sz. wurde zu acht Jahren Freiheitsstrafe und 30 000 Zloty (etwa 7200 Euro) Geldstrafe verurteilt. Zehn weitere Angeklagte zu Haftstrafen zwischen fünf Jahren sowie einem Jahr und sechs Monaten, weiter zehn blieben auf Bewährung frei. Trotz der langen Wartezeit galt das Urteil  als Erfolg im Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität und als Abschreckung für potenzielle Täter.

Doch außer der Untersuchungshaft, die drei Hauptangeklagte im Gefängnis verbrachten, gab es bisher kaum Konsequenzen. Erst im September 2018 ging den Anwälten das schriftliche Urteil zu. zwei Monate später wurde bekannt, dass neun der Verurteilten Berufung eingelegt hatten. Der Anwalt von Eugeniusz Sz. argumentierte, dass dieser zum Zeitpunkt seiner Verhaftung in Holland einen Job mit 2200 Euro Monatslohn hatte, „wovon er seine fünf und sechs Jahre alten Kinder in Polen ernährte“. Andere Verteidiger führten die positive Entwicklung ihrer Mandanten oder Verfahrensfehler der Ermittler ins Feld.

Das Berufungsgericht Posen ließ einige dieser Bedenken offenbar gelten. Ab 18. April wird der Prozess dort neu aufgerollt.