Nur das verheißungsvolle Resultat in Rheinland-Pfalz lässt die Sorgenfalten nicht all zu tief werden. "Wer die Lage realistisch eingeschätzt hat, muss eigentlich zufrieden sein", sinniert der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy. In der Tat: Nach einer ganzen Serie verlorener Landtagswahlen ist es für die Genossen und damit auch für die große Koalition in Berlin ganz leidlich gekommen.
"Die beiden großen Koalitionspartner wurden eher stabilisiert", konstatiert SPD-Vize Elke Ferner in einem Pulk von Kameras und Mikrofonen. Jedenfalls stehe es "eins zu eins", sagt die Saarländerin mit Blick auf die überzeugenden Ergebnisse der Ministerpräsidenten Kurt Beck (Rheinland-Pfalz) und Günther Oettinger Baden-Württemberg). "Das fällt nicht negativ auf uns zurück."
Eine erste Fehlerdiskussion findet abseits der Scheinwerfer statt. Bei schwäbischem Wurstsalat und Rübeländer Zwiebelfleisch diskutiert der Parteinachwuchs, warum es in Stuttgart so grottenschlecht ausging. "Ohne eine Polarisierung gegen die Bundesregierung in Berlin ist eine Mobilisierung unserer Wähler schwierig", sagt Juso-Chef Björn Böhning. Mit einer Wahlaussage zu Gunsten einer großen Koalition sei die sozialdemokratische Klientel auch nicht zu motivieren, ergänzt Böhnings Amtsvorgänger, Niels Annen, mit einem Seitenhieb auf den eigenen Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn. Der hatte sich in der Tat so heftig an die Landes-CDU herangerobbt, dass die Linkspartei nun klar der lachende Zweite in Magdeburg ist.
Als der Parteivorsitzende Matthias Platzeck kurz nach 18.30 Uhr vor das Publikum tritt, hält er sich bei solchen Feinheiten nicht auf. Die Freude über das grandiose Resultat in Rheinland-Pfalz scheint alles zu überstrahlen. Auch besteht in Sachen-Anhalt noch eine gute Chance, dass die Genossen trotz ihres schwachen Abschneidens als Juniorpartner am Kabinettstisch mit der Union sitzen. Allein diese Aussicht zählt für Platzeck, wenn er Bullerjahn demonstrativ für seinen "sehr ehrlichen und sehr zukunftsorientierten Wahlkampf" dankt. Die Schlappe in Baden-Württemberg nennt Platzeck ein "bitteres Ergebnis". Im nächsten Atemzug hat er jedoch wieder zwei freudige Botschaften parat: Erstens, die Rechtsaußenparteien konnten sich nirgendwo etablieren. Zweitens, "das Projekt Westerweiterung der PDS ist auch mit Oskar Lafontaine gründlich gescheitert". An dieser Stelle g ibt es den lautstärksten Applaus der SPD-Anhänger an diesem Abend.
Und was bedeutet der Wahlausgang nun für die große Koalition an der Spree? "Daraus kann man keine Schlussfolgerungen ziehen", ist der Abgeordnete Edathy überzeugt. Denn die Ergebnisse seien zu vielschichtig. Für Überschwang bestehe aber keinerlei Anlass, warnt Edathy. "Wir sind schließlich nicht in Mainz, sondern in Berlin."