Wegen erheblicher Differenzen haben die 27 Staats- und Regierungschefs die offiziellen Verhandlungen über den Finanzrahmen bis 2020 am Donnerstag mehrfach verschoben. Der ursprünglich für den Nachmittag geplante Start des Gipfels in Brüssel verzögerte sich um mehr als vier Stunden, weil die "Chefs" vorab mehr Zeit für ihre Gespräche in kleiner Runde benötigten.

Gipfelchef Herman Van Rompuy hatte angekündigt, einen abgespeckten Budgetvorschlag zu Gipfelbeginn zu präsentierten. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte vor einem Scheitern des Treffens: "Die Positionen sind doch noch recht weit auseinander." Die EU-"Chefs" rangen um einen Haushaltsplan für sieben Jahre mit einem Umfang von rund einer Billion Euro.

Im Gespräch war ein Kompromiss von etwa 960 Milliarden Euro. Dies entspräche genau einem Prozent der EU-Wirtschaftsleistung - so wie es Berlin verlangt hatte. Ohne Einigung auf einen neuen Siebenjahresplan müsste für die Zeit ab 2014 jeweils jährlich ein Budget festgesetzt werden. Es ist bereits der zweite Anlauf für eine Einigung, der erste war im November gescheitert. Sollte auch dieser Versuch keinen Erfolg haben, wird es laut EU-Diplomaten länger dauern, bis die EU noch einen unternimmt.

Jedes Land hat ein Veto gegen den Finanzplan, weil eine Einigung nur einstimmig möglich ist. Eigentlich wollte Van Rompuy die Staatenlenker beim EU-Gipfel zu einem Kompromiss bewegen. Weitere Milliarden-Kürzungen des Finanzrahmens 2014 bis 2020 sollten Geberländern wie Deutschland und Großbritannien entgegenkommen.

Umstritten war nicht nur die Höhe des Haushalts. Hauptstreitpunkt war die Frage, wo die Einsparungen erfolgen sollen. Die Geberländer pochten zudem auf eine faire Lastenverteilung. Im neuen Finanzrahmen soll mehr Geld für Beschäftigung, Innovationen und Infrastruktur ausgegeben werden. Die Frage ist, wie stark dafür die Ausgaben für Landwirtschaft und die Förderung ärmerer Länder begrenzt werden sollen. Während Geberländer wie Deutschland und Großbritannien weniger ausgeben wollen, kämpfen süd- und osteuropäische Länder um ihre Milliardenzuflüsse aus Brüssel.

Der tschechische Ministerpräsident Petr Necas nannte den Vorschlag unfair. "Der Entwurf ist inakzeptabel, und wir sind bereit, ein Veto einzulegen", sagte Necas vor Beginn des EU-Gipfels der Agentur CTK.

Kanzlerin Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande zogen beim Finanzgipfel am selben Strang. Beide seien sich über die Umrisse eines Kompromisses weitgehend einig, verlautete aus Diplomatenkreisen. Der britische Premier Cameron, an dessen Widerstand der Gipfel im November scheiterte, zeigte sich hart: "Wenn die Zahlen nicht kleiner werden, werden wir keinen Deal haben."